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Besuch aus dem All - eine Abhandlung über das Essen von Fleisch
von ChaosZx2
Besuch aus dem All ? eine Abhandlung über das Essen von Fleisch

Sie regt sich nicht. Das fade Licht durchdringt nur mit Mühe die schmutzigen Gitterstäbe und berühren Sinas weiche, verschmutzte Haut. Sie windet sich ganz kurz auf dem schwarz gewordenen Boden. Der Geruch von Fäkalien, Dreck und Staub ist in den letzten Tagen unerträglich geworden. Mit Mühe stützt sie sich ab und versucht sich aufzurichten, um für ein paar Sekunden an der Wand sitzen zu können. Wenigstens ein paar Sekunden. Für alles weitere wäre sie viel zu schwach.
Die ganze Einrichtung versprüht eine extrem deprimierende Atmosphäre. Der verhasste Boden, auf den sie ständig ihre Notdurft verrichten muss, die dunklen Wände, die durch die stickige Luft bereits zu schwitzen beginnt und die scheinbar ewig währende Helligkeit, die sie von jeglichem Schlaf abhält. Links uns rechts neben ihr sitzen noch andere Leute, die ebenfalls in ihrer kleinen 2x2-Meter Zelle wohnen. Der lange, kalte Gang erstreckt sich noch viel weiter, in welchem die kleinen Gefängnisse aneinandergereiht sind. Selbst über Sinas Zelle hängen noch drei weitere, übereinander gestapelte Gitterkästchen mit weiteren Insassen. Mittlerweile weiß sie auch, dass die Vergitterung extra angebracht wurde, damit sich die Fäkalien in der untersten Zelle sammeln können ? in welcher sie schlafen muss. Schön wäre es zumindest, aber selbst das scheint zu viel. Sie könnte selbst unter sauberen Umständen nicht schlafen, denn dafür fühlt sie sich viel zu unwohl in ihrer Haut. Ihre Gewichtszunahme war in letzter Zeit immens. Sie wurde regelrecht vollgestopft und es wurde ihr verboten, sich zu bewegen oder anders zu betätigen. Es würde sie ?weniger wertvoll? machen, meint sie einmal gehört zu haben.
Das wäre wenigstens etwas gewesen. Denn hören tut sie nicht mehr viel. Anfangs war es noch weitaus lauter. Hilfeschreie, Wimmern, Schlottern, Weinen, Wutausbrüche ? alles hatte sie Anfangs gehört. Im Laufe der Zeit jedoch verstummten die lauten Geräusche und hinterließen eine beängstigende Stille, die höchstens nur noch durch den Husten unterbrochen wurde. Für alles andere, was Krach machen würde, fehlt die Kraft. Allerdings scheint heute wieder ein Tag zu sein, an dem sie sich die Ohren zuhalten muss. Denn heute kommen ?Sie?, um wieder einen zu holen. Die gequälten Schreie und Todeskämpfe sind schließlich nicht zu überhören. Ihr Mann wurde bereits wahnsinnig, der eine Zelle neben ihrer hatte. Er vertrug den Stress nicht und starb qualvoll. Schwach saß sie am Gitter und hielt seine gebrochene Hand, bis sie ihr leblos aus der Hand glitt und sie die Gewissheit hatte: Er ist tot. Wenn sie schlafen würde, würde sie ? da ist sie sich ganz sicher ? jede Nacht seinen leblosen Gesichtsausdruck sehen.
Es ertönt ein Laut. Die graue Stahltür schwingt auf und verkündet mit einem lauten donnern, dass sie brutal zugeschlagen wurde. Ihr Kopf hebt sich langsam und ist auf den Gang gerichtet, der vor ihrer Zelle lag. Langsamen Tempos näherten sich die Schritte. Jeder einzelne klingt wie ein Hammerschlag in ihrem Kopf und lässt ihr Herz schneller rasen. Sie verliert ein paar Tränen und ballt hasserfüllt ihre Faust. Das Wesen, das für die Schritte verantwortlich war, ist vor ihrem kleinen Gefängnis angekommen und geht bedächtig seines Weges. Das Wesen war scheußlich anzusehen, obwohl sie kaum noch etwas erkennen konnte. Die Kreatur hatte gravierende Ähnlichkeit mit einem Menschen. Nur, dass die Statur weitaus kräftiger und größer anzusehen war, die Haut türkisfarben und das Gesicht deutlich brutaler war. Sie hatte noch keine andere Mimik erkennen können, als die eines gnadenlosen und kalten Mörders.
?Du mieser Bastard? floss es leise aus ihrem Mund. Die Kreatur blieb stehen und wandte diabolisch grinsend seinen Kopf in ihre Richtung. Er lehnte sich ans Gitter und biss in ein Stück Fleisch. Es war noch roh. Das Blut tropfte hörbar auf den Boden. ?Na, immer noch wach??, fragte die Monstrosität. Seine spitzen, haiähnlichen Zähne blitzten rot im Licht des Vollmondes auf. Sina holte tief Luft.
?Warum tut ihr uns das an??, fragte sie zitternd und ballte ihre Faust fester, sodass sich die Knöchel weiß färbten. ?Wovon sprichst du??, fragte der Wächter verwundert. ?Was tun wir denn??. ?Seht ihr es denn nicht? Ihr miesen Dreckskerle steckt uns in Zellen! Wir haben nichts als Scheisse zum Fressen, haben kein klares Wasser zum Waschen und werden tagtäglich mit Medikamenten vollgestopft! Wir haben 2x2 Meter zum Leben und haben keinerlei Bewegungsfreiraum! Da fragt ihr noch, was ihr denn tun würdet?!?, schrie sie schon fast. Der Wärter biss unbeeindruckt in sein saftiges, blutiges Fleisch, bevor er mit vollem Mund zu sprechen begann: ?Jetzt tu doch nicht so, als ob du es nicht wüsstest. Warum tun wir das wohl??, fragte er fast lachend. ?Oder ist es denn nicht ersichtlich was aus euch wird??. Er deutete grinsend auf das Stück Fleisch, das er wedelnd vor ihr hält.
Ihr Gesichtsausdruck wird blasser. ?Nein?du meinst???, ?Oh doch, genau das!?, unterbrach die Kreatur prustend. ?Warum glaubst du, machen wir diesen riesen Aufwand? Ihr seid ziemlich lecker und nahrhaft. Besonders die Kinder. Sie sind klein, unschuldig und sind deswegen schön zart.? Sina biss sich unter Tränen verzweifelt auf die Lippen. Mit aller Kraft wirft sie sich gegen das Gitter, dessen Stäbe sie fest umfasst und beginnt zu schreien: ?Was hast du Missgeburt mit meinem kleinen Josef gemacht?!?. Stille. Ihre Hände rutschen kraftlos das Gitter herunter, während ihr Blick durch die Tränen getrübt wird. Das Wesen grinst breit. ?Ist das der Kleine, den wir dir weggenommen haben? Kann ich nicht so genau sagen, man hat mir nichts über gelassen. Aber wenn ich meinen Kameraden Glauben schenken kann, dann war er wohl vorzüglich. Er war einer der ganz wenigen, die gelähmt waren vor Angst, anstatt wie ein abgestochener Mensch loszuschreien. Das einzige, was man von ihm gehört hat, war der Schrei nach seiner Mutter.? ?Nein, warum?mein kleiner Josef?, wimmerte Sina entkräftet. Sie glitt langsam am Gitter runter und lag wie betäubt vor dem kalten Gittertor.
?Ich frage mich, was euer ständiges Gejammer soll?, fragte der Wächter stirnrunzelnd. ?Ihr fügt uns Schmerzen zu und lasst uns in den dreckigsten Verhältnissen leben?ihr habt keinerlei Respekt vor dem Leben?, sagte sie fast flüsternd. ?Ist euch nicht klar, dass wir fühlen und leiden??. ?Naja?, sagte die Kreatur zögernd und biss nochmal in das Stück Fleisch hinein, ?ihr seid ziemlich unterentwickelt. Könnt ihr euch etwa telepathisch austauschen? Habt ihr dieselbe Technologie, wie wir auch? Ist eure Kultur so hoch entwickelt, wie unsere? Wir haben Krankheiten besiegt, die ihr nicht einmal in euren kühnsten Albträumen erahnen könntet. Wir haben Denker, Dichter, Musiker, Philosophen, Professoren, Wissenschaftler, die eine ganz neue Bedeutung des Universums und des Lebens geschaffen haben, weit über euren kümmerlichen Verstand hinaus. Wir haben durch Vernunft und Empathie Hunger, Krieg und Leid verbannen können, das uns heimgesucht hat. Es gibt keinen Rassismus, keinen Hass und keine Plagen mehr. Ihr seid uns in jeglicher Hinsicht total unterlegen. Ihr seid kaum mehr Wert, als das, aus dem ihr tatsächlich besteht.?
Diese Worte hatten Sina hart getroffen. ?Was bildet ihr euch eigentlich ein??, fragte sie wutentbrannt. ?Ist das etwa die Rechtfertigung dafür, dass ihr uns so quält und hinterher fresst??. ?Naja, fressen tun wir nicht alle. Einige kommen in die Brutkammern.?, sagte die Wache gleichgültig. ?Brutkammern??. ?Ja. Einige von euch scheinen die Fähigkeit zu besitzen, Nachkommen von euch in die Welt zu setzen. Die, die am meißten gebären können, kommen in die Brutkammern, um neue Menschen für uns zu produzieren. Dafür reicht es, dass wir ihnen ein paar Medikamente geben, um den Prozess zu beschleunigen. Viele eurer Nachkommen kommen zwar als widerliche Krüppel auf die Welt, aber das tut dem Ergebnis kaum einen Abbruch?. Sina ist schlecht geworden. In was ist sie da bloß rein geraten?
?Und außerdem??, fuhr das Wesen fort, ??ihr schmeckt einfach ziemlich gut. Und ihr habt ein paar nützliche Stoffe, die uns gesund und fit halten. Ihr seid so gesehen eine einfach zu verspeisende Nährstoff- und Geschmacksquelle. Rate mal, warum ihr ein so großer Hit auf meinem Planeten seid. Die Produktion kommt kaum noch nach, um den Bedarf zu decken, den wir brauchen.? ?Heißt das etwa, dass ihr noch mehr Gefängnisse, als das hier habt??, fragte Sina bleich. ?Natürlich!?, lachte die Kreatur brutal. ?Das hier ist nur ein Witz im Gegensatz zu dem, was wir noch alles auf eurem Planeten aufgebaut haben! Das hier ist lediglich ein kleiner Betrieb dafür. Natürlich ist das hier schon extrem groß, aber weit entfernt von hier ist wirklich das Non-Plus-Ultra der Menschenfleisch-Produktion! Die größeren Fabriken sind noch weitaus besser ausgestattet. Wie ich einen guten Freund von mir dafür beneide??. Der Wächter beginnt zu schwärmen. ?Alles geht Hand in Hand ineinander. In den großen Betrieben werdet ihr noch ein bisschen anders behandelt, weil da noch mehr gespart wird. Es soll ja schließlich auch noch Profit dabei rauskommen.?
Der Wächter fährt nach einer kurzen Atempause unbeirrt fort: ?Zuerst werden die Menschen markiert. Ihnen wird an verschiedenen Stellen am Körper ein komplexer Code eingebrannt, damit man ihre Qualität und Haltbarkeit bestimmen kann. Wenn das erledigt ist, bekommen einige eine kurze Reise in den Heizofen, in welchem so gut wie alle Haare an eurem Körper entfernt werden. Wenn das nicht hilft, bringt es schon ein kleines Brühbad. In diesem großen Kessel werden die Menschen kurz in kochend heißes Wasser getaucht, damit auch wirklich alles unangenehme an ihnen verschwindet, was ungenießbar ist. Danach spießen wir sie an den Füßen auf, lassen sie baumeln und setzen einen klaren Schnitt am Hals an. Ihr müsst schließlich ausbluten?aber nur nicht zu schnell! Sterbt ihr zu früh, dann hört euer Herz auf zu schlagen und ihr blutet langsamer aus, was auf Kosten des Geschmackes und der Haltbarkeit geht. Und das ist alles nur ein klitzekleiner Teil an Möglichkeiten, mit denen wir euch nutzbar machen können?wir sind ja schließlich nicht doof?.
Sina ist fassungslos. Die unfassbare Brutalität und Grausamkeit hat sie gelähmt. ?Naja, aber man muss sagen, dass das schon eine Schweinerei ist?, fährt der Wächter fort. ?Die Arbeiter werden mies bezahlt und auch behandelt. Die Arbeitszeiten sind ziemlich mies und die ewigen Schreie gehen einem dann doch auf die Nerven. Aber zum Glück gibt es das lustige ?Menschenklatschen?. ?Menschenklatschen?!?, fragte Sina. ?Ja. Man braucht ein wenig Spaß auf seiner Arbeit. Darum reduziert sich die ganze Prozedur nicht nur auf das Produzieren von Fleisch oder anderen Produkten aus Mensch. Wenn die Jungs einen miesen Tag haben, amüsieren sie sich ein wenig mit den Menschen. Elektroschocks durch den Anus, ausstechen der Augen, verprügeln mit Eisenstangen, die Haut am lebendigen Leibe abziehen; es gibt unzählige Möglichkeiten sich zu amüsieren.? ?Ihr seid doch krank!?, presste Sina mit aller Kraft heraus. ?Krank? Wir stehen ganz oben an der Nahrungskette. Ihr habt es doch nicht anders gemacht. Alles, was unter euch stand, wurde gefressen und industriell hergestellt. Eure Lebensberechtigung reicht als Argument für Geschmack und Wohlstand nicht aus, Mensch?.
Eine lange Stille erfüllt den Saal. Ein Husten am Ende des Ganges ertönt. Der Wächter schaut aus dem kleinen vergitterten Fenster raus. ?Naja, aber ich bin schließlich nicht gekommen, um mit dir zu plaudern??, sagte er finster grinsend. Sina riss die zuvor geschlossenen Augen auf und blickte in seine wahnsinnig dreinschauenden Augen. ?Wa-Was hast du vor??, stotterte sie.
?Die Geschehnisse, die ich dir erzählt habe?, sagte das Wesen, ?wirst du nun am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Meine Kollegen und ich sind hungrig. Ich wollte mir ein wenig die Zeit vertreiben, bis das Wasser die richtige Temperatur erreicht hat.? Sina krallt sich mit ihren kurzen Fingernägeln so fest in den Boden rein, sodass die Nägel brechen und die Finger zu bluten beginnen. Sie rutscht instinktiv gegen die Wand. Bedächtig grinsend öffnet der Wärter die Tür und geht langsamen Schrittes auf Sina zu. ?Wenn du magst, prügle ich dich gerne durch. Betäubung ist leider ziemlich teuer, also muss das langen. Willst du??, fragte der Wächter in einem normalen Ton. Sina sammelt nochmal alle Kraft und versucht aufzustehen. ?Nein?das will ich nicht miterleben. Ich WERDE es nicht miterleben!?, schrie sie. Sina stützt sich mit einer Hand an der Wand ab, holt mit ihrem Kopf weit aus und rammt diesen mit voller Wucht gegen die Wand. Ein lautes Knacken hallt durch den Gang, auf den ein paar Insassen die Köpfe in ihre Richtung drehen. Sina ist tot. Der Wächter lacht leise. ?Also zu einem sind die Menschen ja noch gut?sie betäuben sich immerhin selber?. Das Wesen greift brutal einen Fuß der leblosen Frau und schleift sie hinter sich her. Eine Spur aus Blut folgt ihnen bis hinter die Tür, die mit einem lauten Knall zufällt. Der Schall verfliegt langsam. Stille.


Diese kleine Geschichte von mir ist brutal, zugegeben. Doch leider zeichnet dieses übertrieben wirkende Werk ein allzu reales Bild. Die Rede ist jedoch nicht vom Menschen, sondern vom Tier. Natürlich ist die Handlung, sowie die Charaktergestaltung frei erfunden, aber die Vorkommnisse und Erzählungen sind brutale Realität, genau so, wie die Argumente, die angebracht werden.
Leider ist es mir nicht möglich gewesen, wirklich alle Argumente, Geschehnisse oder sonstige Erzählungen mit einfließen zu lassen, aber dieser kleine Einriss sollte dies auch nicht bewirken. Es geht um die Mentalität dahinter: Beschäftigt euch mit Fleischkonsum, hinterfragt den Ursprung des Fleisches, das auf eurem Teller liegt und macht euch GEDANKEN darüber!
Diese Geschichte ist ein Appell an alle Menschen und Leute, die sich mit den Problemen dieser Welt auseinandersetzen und auch etwas tun möchten. In meinen Augen ist der Verzicht auf Fleisch der erste persönliche Schritt für einen Beitrag, der diese Welt besser macht. Es muss dabei noch nicht einmal der Verzicht sein. Es reicht auch, wenn man sich wirklich auf eine BEWUSSTE Ernährung stützt! In der heutigen Zeit ist es durch Industrialisierung und Mechanisierung natürlich sehr schwer herauszufinden, was nun ?human geschlachtetes? Fleisch ist und was nicht. Darum plädiere ich auch für einen kompletten Verzicht. Aber wer auch immer die Möglichkeit hat etwas zu tun, der sollte wirklich etwas tun!
Natürlich werden viele Probleme nicht von jetzt auf heute verschwinden, aber ich hoffe, dass sich einige Leute darüber Gedanken machen können und es auch tun?und dementsprechend handeln. Wir sind ein Teil dieser Welt und tragen eine Verantwortung ? für uns und für alle anderen Lebewesen dieses Planeten. Denkt darüber einmal ganz genau nach...

Danke für eure Aufmerksamkeit
Chaos

Alle Anregungen zu diesem Beitrag bitte an den verfassenden User ChaosZx2 schicken.
Der Beitrag wurde am 19.09.2010 geschrieben und bisher 523x gelesen.

Dieser Beitrag wurde von freigeschaltet.

Kommentar von kleines zu diesem Userartikel am 09.01.2011 21:49
BRUTAL


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