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??Warum verlaufen Dinge wie sie's tun??
von böhser_engel06
Warum verlaufen Dinge wie sie?s tun???


Ich hab mich entschlossen auch mal einen Beitrag hier auf die Seite zu stellen. Und ich hab lang überlegt, was ich denn schreiben könnte.
Soll ich darüber schreiben, wie toll die Onkelz immer noch sind, dass wir sie nie vergessen? Das wissen wir alle, oder nicht!? Nein, ich will einfach mal darüber schreiben, was in meinem Leben geschehen ist, was mich früher oder später zum Onkelz Fan gemacht hat und mich so auch mit vielen anderen Fans verbindet, die durchh irgendeinen Schicksalsschlag im Leben aus der Bahn geworfen wurden. Und das sind die Momente in denen man über den Sinn des Lebens nachdenkt, warum verlaufen Dinge wie sie?s tun....

Ich sehe mich auf dem Friedhof stehen, mit einer Rose in der Hand. In dem Grab vor mir liegt ein 10-jähriges Mädchen. Simone, meine beste Freundin.
Es war 1994 in den Sommerferien, es war ein ziemlich heißer Sommer. Wir haben immer alles zusammen gemacht, haben jeden Tag und teilweise auch die Nächte zusammen verbracht. Bei mir hat sie sich wohl gefühlt. Naja wenn man sich ein Zimmer mit drei Geschwistern teilt und die Mutter an der Flasche hängt ist das sicherlich nicht wirklich eine Umgebung in der man sich geborgen fühlt. Der einzige der sich für einen interessiert ist der Stiefvater wenn er mal wieder Schläge zu verteilen hat. Trotz der ganzen Widrigkeiten ist es doch immer wieder erstaunlich, dass unter solchen Umständen jemand ein so gutes Herz haben kann. Sie war immer nett zu anderen und hat das Beste aus ihrer Situation gemacht. Auch wenn die Noten in der Schule nicht ganz so berauschend waren, hat sie doch immer alles gegeben. Nur leidet die Psyche trotz dem guten Willen. Zum Lernen saßen wir oft zusammen und haben in der Pause immer mit dem Springseil gespielt. Reiten, das wollte sie immer gern mal lernen, doch die Unterstützung von zu Haus war gleich Null. Ich bin viel bei meiner Oma aufgewachsen, da die im gleichen Ort wohnte und ein großes Haus mit Garten hatte. Sie ermöglichte mir auch das Reiten zu lernen, zweimal die Woche. Doch Mone blieb da auf der Strecke, doch warum soll man, nur weil man mehr Geld hat über anderen stehen. Nee, das war nie meine Art und ist sie auch bis heute nicht. Kurzer Hand hab ich mit meiner Oma geredet und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich nur einmal die Woche gehe, aber Mone dafür mitkommt. Gesagt getan, Ende der Sommerferien war es soweit und am letzten Ferientag wollte sie mitkommen.
Am Samstag bekam ich nen Anruf, ich weiß es als wäre es gestern gewesen. Ich ging ans Telefon und Mone war dran, die mich drum bat doch das Reiten eine Woche zu verschieben. Ihr Stiefvater und ihre Mutter wollten Picknicken fahren und einen auf heile Familie machen. Es gab mal wieder solchen Krach, dass sie sich trennen wollten und ihre Mutter meinte durch einen netten Nachmittag wieder alles ins Lot bringen zu können. Sie hat mich gefragt ob sie da nun mitfahren soll,und ob ich dann böse sei. Diese Worte, die ich dann sagte vergess ich nie und sie machen mir bis heut zu schaffen: ?Fahr ruhig mit, Reiten können wir jede Woche, und vielleicht kommt deine Mama ja mal auf nen grünen Zweig.?
Warum hab ich nicht gesagt ?Lass die doch, komm mit, wird doch eh nichts? warum nicht???? Dieser Moment, der mir einfach so normal wie jeder andere vorkam, war doch der letzte in dem ich ihre Stimme gehört habe. Ein paar simple Worte, die alles verändern. Ich hab sie bis heute im Kopf.
Jedenfalls hat sie mir noch nen schönen Sonntag gewünscht und mir gesagt, dass sie sich wieder auf Montag freut, wenn die Schule losgeht und sie mich wieder jeden Tag sieht. Wenn ich an diese Worte denken schießen mir jedes Mal aufs neue Tränen in die Augen.

Ich bin spät dran und es ist Montag morgen, Mone hätte längst da sein sollen. Sie holt mich immer frühs zu Haus ab, unser Haus lag schließlich direkt auf dem Weg. Hmm.. Ich denke mir nichts weiter dabei und gehe zur Schule, vielleicht ist sie schon da, schließlich geht ihre kleine Schwester jetz auch in die 1. Klasse und sie muss sie vielleicht hin bringen. Doch in der Schule angekommen bleibt der Platz neben mir leer.
Anstatt dessen komme ich nicht mal dazu meine Sachen auszupacken. Ich weiß noch genau wir hatten Englisch. Ich mach den Reißverschluss meiner Mappe auf und ich erschrecke mich, weil auf einmal meine Klassenlehrerin hinter mir steht und sagt ich soll meine Sachen nehmen und mitkommen. Der eigentlich kleine Flur kommt mir riesig vor, ich höre meine Schritte wiederhallen. Es ist alles so irreal. Ich sehe die Tür der Direktorin vor mir aufgehen, ich laufe hinein und komme sprachlos, verloren und einsam wieder heraus. Ich kann meine Gefühle nicht mehr zurück halten. Ich setze mich in die Ecke des großen Flures und die Tränen rollen über meine Wangen. Ich bin für den Rest der Woche freigestellt.

Simone gibt?s nicht mehr. Sinple Worte, die sich so komisch anhören. Sie war mit ihren Eltern an einem Seitenarm der Oder. Naja Picknick im Familienkreis sieht glaub ich anders aus. Ihre Geschwister sind alle dabei, ihre ältere Schwester und die beiden Kleineren. Wie immer war die Mutter angetrunken, dass Versprechen war genauso schnell wieder vegessen wie das vom Vater, der schon wieder ordentlich am Streiten war. AlsoEtwas abseits der Eltern spielte die Kleinste am Ufer, warf Steine ins Wasser. Simone saß ein paar Meter entfernt, sah aufs Wasser und träumte vor sich hin. Sie hörte auf einmal Hilferufe und sah nur noch wie die Kleine damit ringte an der Oberfläche zu bleiben. Im Streit der Eltern gingen die Hilferufe unter, die bekamen nichts mit. Simone überlegte nicht lange, rannte hin und sprang hinterher. Die nassen Klamotten lassen es kaum zu sich selbst über Wasser zu halten, aber es gelang ihr die Kleine ans Ufer zu bringen, wo ihre große Schwester der Kleinen raushalf. Die hatte das mittlerweile auch mitbekommen und rief nach ihrer Mama. Doch das Schicksal nahm weiter seinen Lauf, in dem Moment wo die Kleine außer Gefahr war, schlangen sich Pflanzen um Mones Beine, die sich mit jedem Versuch sie abzuschütteln nur noch fester um ihre Knöchel zogen und ihr schließlich keine Chance mehr ließen an die Oberfläche zu kommen. Und die Eltern? Naja wie immer war die Mutter dicht, sie peilte überhaupt nicht was um sie rum geschah und der Stiefvater!? Der sah nur die Kleine, sein Engelchen, ist ja schließlich das laibliche Kind. Mendy, die große Schwester sah Mone nicht mehr. Sie stand wie angewurzelt und starrte aufs Wasser, unfähig auch nur irgendetwas zu tun. Die Beine waren wie einbetoniert.
Ein Sonntag Nachmittag im Sommer 1994 und der Tod verlässt die Szene kopfnickend.

Taucher der Feuerwehr fanden sie eine Stünde später, wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Der Stiefvater hätte sich nur mal Bewegen brauchen, er hätte in dem Wasser stehen können. Soll ich dabei Hass für ihn empfinden? Ich weiß es nicht. Was hast du Arschloch schon jemals riskiert? Ich meine nicht dein Leben.....
Das fällt mir dazu ein. Arschloch ist sicher nicht ganz passend, aber damals dachte ich halt so.

Wie viele Textzeilen spiegeln auch meine Gedanken und Gefühle wieder!

Ich sehe vieles seitdem mit anderen Augen. Ich frage mich was ich hätte tun, frage mich wieso sie.... 1000Fragen, die mir das Leben stellt...

Tja, seitdem pflücke ich Rosen für ihr Grab. Und hoffe da wo sie ist geht?s ihr gut. Viele sagen mir ich kann doch stolz auf sie sein, sie hat schließlich ihrer Schwester das Leben gerettet, doch was hilft das in dem Moment. Warum macht der Tod keine Unterschiede? Warum kommen Mörder und Gewaltverbrecher straflos davon und Menschen mit so tollem Herzen müssen sterben sag mir warum.... Es bleibt nichts außer zu sagen... nur die besten sterben jung.....
Seitdem ich ?Der Platz neben mir? von den Onkelz hörte, hat diese Band mich in ihren Bann gerissen. Ich sehe mich, die Ohnmacht in mir einen lieben Menschen zu verliern.......




Vielleicht noch ein kleiner Anhang:
Die große Schwester Mandy ist ausgezogen, und hat dann im Betreutem Wohnen gelebt. Hat mittlerweile ne eigene Familie und macht vieles besser als ihre Mutter. Die Mutter hat sich vom Stiefvater getrennt und hat eine Entziehungskur gemacht und wieder Arbeit gefunden, ist weggezogen und wohnt mit den beiden Kleinen (Naja mittlerweile sind die auch erwachsen) allein.

Von dem Vater weiß ich nichts weiter.

Was bleibt da noch zu sagen?Einmal kommt der Tag, der die Erlösung bringt, unser Glück ist ohnehin immer da wo wir nicht sind........


Simone, ich vermisse dich, es ist einsam ohne dich.


Und an die Onkelz


Danke für Alles



Alle Anregungen zu diesem Beitrag bitte an den verfassenden User böhser_engel06 schicken.
Der Beitrag wurde am 18.10.2007 geschrieben und bisher 1796x gelesen.

Dieser Beitrag wurde von Marco und Alex freigeschaltet.

Kommentar von bösemary87 zu diesem Userartikel am 12.02.2009 15:13
Echt heftig und unfair


Kommentar von BöhsePille zu diesem Userartikel am 06.10.2008 22:55
... mutig das alles aufzuschreiben, da kommt bestimmt alles wieder hoch ... das beruehrt ...


Kommentar von böhse412 zu diesem Userartikel am 27.06.2008 22:01
Mir laufen die Tränen und ich hab einen echt fetten Kloß im Hals. Das Leben ist so unfair. Es müssen immer die Menschen zuerst sterben die es nicht verdient haben. Ein so junges Leben einfach dahin nur weil die Mutter besoffen war und nix gerafft hat. Mir fehlen die Worte echt...


Kommentar von Onkelz-Neuling zu diesem Userartikel am 21.05.2008 21:17
Mir fehlen die Worte.... Hart... Echt Hart...............


Kommentar von viperz zu diesem Userartikel am 08.05.2008 13:33
Sprachlos!!!!


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