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Onkelz Bandgeschichte 1981-1998
von Checkidie
Bandgeschichte

Hier entsteht die Seite "Böhse Onkelz-Bandgeschichte".Hier kannst Du dir einen Eindruck vom Werdegang der Onkelz machen, der vor mehr als 20 Jahren begann. Wenn Du dir ein umfassendes Bild von der Band und dessen Geschichte machen willst, empfehlen wir Dir die offizielle Biographie "Danke für nichts" von Edmund Hartsch.



Die Böhsen Onkelz sind: Der Bandleader, Bassist und Textschreiber Stephan Weidner, der Sänger Kevin Russell, Gitarrist Matthias "Gonzo" Röhr und Schlagzeuger Peter "Pe" Schorowsky.



Sie hatten alle eine sehr schwere Kindheit, so hat z.B. Stephan schon mit 10 Jahren regelmäßig im Sachsenhausener Park in Frankfurt Drogen genommen und war oftmals in Schlägereien verwickelt.



Pe, Stephan und Kevin haben sich 1979 in der Schule kennengelernt. Sie waren in dieser Zeit Frankfurter Punks. Ihnen gefiel es, anders zu sein und durch ihr Auftreten zu provozieren. Sie haben ihre kleidung monate lang nicht gewaschen, ließen ihre Haare wachsen und hatten ein entsprechendes Benehmen. In Stephans Keller haben sie oft den ganzen tag verbracht und kamen auf die dümmsten Ideen. Sie hörten Punk-Musik, rauchten, betranken sich und hatten einfach nur Spaß. Jedes Mal, wenn Stephans Vater nach Frankfurter in Puff musste ging die Party los.







Dort kam ihnen im Winter 1980 auch die Idee selbst eine Punkband zu gründen. Dass keiner ein Instrument spielen konnte, war ihnen egal. Sie trafen sich bei Stephan, trommelten auf Töpfen rum und produzierten, was Außenstehende einfach nur als "Lärm" empfanden. Als sie, wie so oft durch die Straßen gingen um Leute zu provozieren, begegneten sie spielenden Kindern, die sie auf Grund ihres Äußeren als "Böse Onkels" rausdeuteten. Sie wussten direkt, dass dies der perfekte Band-Name ist. Als Zeichen dafür, dass man anders war und die Gesellschaft ihnen egal war, schrieben sie den Namen in einer falschen Rechtschreibweise, die sich im Laufe der Jahre noch ein bißchen geändert hat bis man bei "Böhse Onkelz" blieb, wie sie heute noch geschrieben werden.





Ihren ersten Live-Auftritt hatten sie 1981 im Jugendzentrum in Frankfurt-Bockenheim, welcher jedoch ein Flop war, da sie keine guten Lieder hatten und vor Allem ihre Instrumente nicht beherrschten.



Einige Tage nach dem Auftritt trafen sie Gonzo an einer Bahn-Haltestelle. Er kam mit einem Freund immer nach Frankfurt um andere Punks zu treffen. Er konnte schon ziemlich gut Gitarre spielen und hatte in einer Punk-Band namens "Antikörper" bereits Erfahrungen gesammelt. Als es dann soweit kam, dass die Onkelz einen weiteren Live-Auftritt, ebenfalls im JUZ-Bockenheim, hatten, fragten sie Gonzo, der mit Antikörper ebenfalls an diesem Tag dort spielte, ob er nicht in die Band einsteigen wolle. Er war anfangs etwas skeptisch, da er mit den Onkelz keine Perspektive sah, da keiner von den Jungs mit seinem Instrument was zu Stande brachte. Allerdings bedurfte es nicht mehr viel Überredungskunst bis er dabei war, da man schnell merkte, dass man auf einer Wellenlänge schwebte. Somit wurde Gonzo das vierte Mitglied der Band.









Nachdem Gonzo nun der vierte Mann im Bunde war traf man sich öfters zum Üben, bis sich herrauskristallisiert hatte, wer welchen Part übernimmt. Letztendlich kam man zu dem Entschluss, dass Stephan Bass spielt, Kevin singt, Pe Schlagzeug spielt und Gonzo natürlich weiterhin Gitarre spielt. Er brachte mit seinen, für die anderen Bandmitglieder überwältigenden Gitarren-Solos schnell eine klare Linie in die Musik der Onkelz. Sie spielten u.A. Songs gegen Hippies und Religion und wollten mit Songs wie "Ich lieb mich" bekräftigen, dass sie die Geilsten sind. Man wollte einfach nur provozieren. Aus diesem Gedanken und auf Grund von Schlägereien mit türkischen Jugendlichen ist zu dieser Zeit der Song "Türken Raus" entstanden, der bis heute noch oft als Hauptgrund für ihre angebliche Unglaubwürdigkeit genannt wird.





Als im Laufe des Jahres 1982 die Punk-Szene immer kommerzieller wurde und auch viele Punks ins linke Lager abwanderten, stiegen die Onkelz langsam, aber sicher aus dieser Szene aus, da man sich u.A. nie vor einen politischen Karren spannen wollte. In diesem Zeitraum färbte langsam die Skinhead-Szene aus England auf Deutschland ab, die sich Ende der sechziger Jahre in London entwickelte. Damals war sie eng mit der jamaikanischen Arbeiterbewegung der "Rude-Boys" verknüpft. Die englischen Jugendlichen begeisterten sich für die Musik der Einwanderer und sie trafen sich gemeinsam zu Ska- und Reggae-Konzerten. Ihr Markenzeichen waren ihre kurzen Haare, wodurch sie sich "Skinheads" nannten. Ende der siebziger Jahre boomte die Skinheadbewegung erst richtig, dadurch, dass auch viele Punks in diesem Zeitraum in diese Szene kamen. Daraus entwickelte sich dann die "Oi!-Bewegung", die auch schnell in Deutschland ihre Anhänger fand. Politik war uninteressant, dies und viele andere Punkte waren ausschlaggebend dafür, dass auch die Onkelz zu dieser Zeit in die Szene einstiegen.







Sie machten sich auch in dieser Szene nach kurzer Zeit einen Namen, wobei dies nicht besonders schwer war, da auch viele ihrer alten Zuhörer mitwechselten. Sie waren einer der ersten und besten deutschen Skinhead-Bands. Sie hatten in den Jahren 1982 und 1983 sechs Live-Auftritte, bei denen sie ihr Können unter Beweis stellten.



Als es dann endlich soweit war, dass sie 1984 von der Plattenfirma "Rock-O-Rama" das Angebot bekamen eine eigene LP aufzunehmen, sagten sie natürlich gleich zu. Die LP hieß "Der nette Mann" und schlug in der Szene ein wie eine Bombe. Die Songs handelten u.A. von Fußball, Alkohol, Gewalt und Sex. Sie waren somit die erste deutsche Skinhead-Band, die eine LP aufnahm. Schnell erreichte diese Kult-Status bei ihren Anhängern. Nach dieser Platte folgten 1985 noch "Böse Menschen, böse Lieder" und die Mini-LP "Mexico". Da in dieser Zeit ein Teil der Szene immer mehr ins rechte Lager rutschte und rechte Organisationen auf den Konzerten der Onkelz Flyer verteilten und die Leute damit von ihren Gedanken überzeugen wollten, stiegen sie auch dort 1985 entgültig aus. Sie kündigten ihren Plattenvertrag, da sie für die drei LPs insgesamt nur 4000 DM bekamen.





Es wurden in den Jahren 1985 und 1986 noch ein paar Konzerte gegeben, wo u.A. ein Benefiz-Konzert für ein S.O.S.-Kinderdorf dabei war. In diesem Jahr wurde auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) auf die Band aufmerksam und stellte ihre erste LP "Der nette Mann" auf den Index. Die Platte wurde wegen gewaltverherrlichendem und pornographischem Inhalt indiziert. Es wurde ein Indizierungsbericht veröffentlicht, der durch viele Rechtschreibfehler und schlechte Argumente auf sich aufmerksam machte.





Nach dem Ausstieg aus der Skinhead-Szene ließen sie sich wieder ihre Haare wachsen, da man sich komplett distanzieren wollte. Sie bekamen einen Plattenvertrag bei "Metal Enterprises" und es zog sie in Richtung Hard Rock und Heavy Metal. Ihre erste Platte bei der neuen Plattenfirma hieß "Onkelz wie wir..." und kam 1987 heraus. Durch ihren steigenden Bekanntheitsgrad wurden die ersten Fachzeitschriften auf sie aufmerksam und veröffentlichten Berichte, in denen sie als Nazis abgestempelt wurden, da sie aus der Skinhead-Szene kamen und zu dieser Zeit schon viele Skinheads rechts waren. Daran merkte man, dass auch diese Platte falsch verstanden wurde, da mit "Erinnerungen" eine klare Absage an alte Zeiten in der Tracklist war.





Im Herbst 1988 kam dann das zweite Album für Metal Enprises heraus, es hieß "Kneipenterroristen" und inhaltlich handelte es wieder von Schlägereien und Alkohol, sowie um die ersten Erfahrungen mit harten Drogen. Die Musik und die Texte spiegelte die Stimmung innerhalb und um wie Band wider. Ingo Nowotny von Metal Enterprises veröffentlichte im Sommer 1989 das Album "Lügenmarsch" als Picturedisc. Sie sollte die Zeit bis zum neuen Album überbrücken, da die Band ein neues Album erst für 1990 vorgesehen hatte. Das hatte die Folge, dass sich auf "Lügenmarsch" nur zwei neue Songs befanden.





Nun begann eine harte Zeit. Einerseits wurden sie von der Presse und den Medien in die rechte Ecke gestellt, hatten deswegen auch Probleme Konzerte zu geben, andererseits verlor Kevin seinen Job und hatte schwere Drogenprobleme, die sich durch den Tod des besten Freundes der Band, Trimmi, der in Kevins Armen verblutete, verschlimmerten.





Kurz darauf erschien das Album "Es ist soweit". Es sollte mit Abstand das Düsterste werden, was die Onkelz je geschrieben haben. Trimmis Tod und Kevins Drogenprobleme hatten einen großen Einfluss auf dieses Album. Jeder der das Album hörte, sollte mitleiden. Songs die näher an der Wahrheit waren, als nichts anderes.





Anschließend wechselten sie zu der Plattenfirma "Bellaphon", da man von Metal Enterprises ebenfalls um viel Geld betrogen wurde. Das erste Album bei der neuen Plattenfirma erschien 1991 und heisst "Wir ham noch lange nicht genug". Es war ein weiteres Album, das die Stimmung und das Geschehen innnerhalb der Band und um die Band widerspiegelte. Kurz darauf folgte ihr erstes Live-Album "Live in Vienna" mit einem dazugehörigen Live-Video, das innerhalb kürzester Zeit zum zweitmeistverkauften deutschen Rockvideo aufstieg.





Obwohl die Band weiterhin von vielen Läden, Radiosendern und vom Fernsehen wegen ihrer angeblich rechtslastigen Vergangenheit zum größten Teil boykottiert wurde stieg der Erfolg. Das neue Album, das 1992 erschien und "Heilige Lieder" heisst, stieg bis auf den 5. Platz der deutschen Charts. Das Konzept der Platte sowie alle Texte hatte Stephan während seines Urlaubs in Mexico geschrieben. Fast zeitgleich erschien noch eine Maxi-CD zum Album namens "Ich bin in Dir".





Als die Vorwürfe der Presse immer heftiger wurden trat Stephan in diversen TV-Shows auf, mit der Absicht endgültig Klarheit zu schaffen, was ihm jedoch nicht wirklich gelang. Das nächste Album überraschte in Form eines Doppel-Albums. Die Alben heissen "Schwarz" und "Weiss" und deren Cover-Gestaltung wurde dem Name angepasst. Sie zählen textlich zu den reifsten Werken und mit dem Song "Deutschland im Herbst" wurde ein klares Statement im Bezug auf Rechtsradikalismus gesetzt. Im selben Jahr wurde noch ein eigener Fanclub, der B.O.S.C., gegründet, so dass die Fans die Infos aus erster Hand bekommen und sich nicht auf die Presse verlassen müssen.





Der Vertrag mit Bellaphon lief 1994 aus, jedoch mussten sie noch ein Best-Of Album namens "Gehasst, verdammt, vergöttert" veröffentlichen. Der Vertrag wurde nicht verlängert, was die Folge hatte, dass sie zum Majorlabel "Virgin" wechselten. Das erste Album bei Virgin "Hier sind die Onkelz" erschien 1995 und schaffte es trotz Boykott und ohne Werbung bis auf Platz 4 der Charts. Kevins jahrelange Heroin-Sucht schien nun endlich endgültig besiegt zu sein.





Weit über vierhunderttausend mal verkaufte sich die zweite Platte bei Virgin namens "E.I.N.S." bis heute. Sie erschien 1996 und kletterte bis auf Platz 3 der deutschen Charts und das ein weiteres Mal trotz des Boykotts von Radiostationen und Plattenläden. Die dazugehörige Tour war ein voller Erfolg und sie nutzen das Konzert in Dortmund um ihr zweites Live-Album inklusive Live-Video namens "Live in Dortmund" zu produzieren, was 1997 erschien.





Nach einer kleinen Pause meldeten sich die Onkelz 1998 mit "Viva los tioz", was übersetzt "Es leben die Onkelz" heisst, zurück. Bei diesem Album wurde verstärkt mit Computertechnik gearbeitet. Die Platte kam bereits mit Goldstatus in die Läden und stieg von 0 auf Platz 1 in den deutschen Charts ein. Die dazugehörige Single namens "Terpentin" schaffte es auch weit nach oben und zwar auf Platz 2.





Zwischen 1998 und 2000 gaben sie noch einige Konzerte bis es dann endlich soweit war, dass "Dunkler Ort", die Maxi-CD, die den ersten professionellen Videoclip als Multimedia-Track enthält, erschien. Die Maxi-CD schaffte es bis auf Platz 2 der deutschen Charts und das Album "Ein böses Märchen", welches kurz darauf erschien stieg sogar von 0 auf Platz 1 in die Charts ein. Die darauffolgende Tour war bereits 1999 fast ausverkauft und war wieder mal ein Riesenerfolg.





Für das Jahresende waren noch zwei Konzerte angesetzt, das 20 Jahre Jubiläumskonzert und ein Benefizkonzert für die Opfer rechter Gewalt, die leider auf März 2001 verschoben werden mussten, da Kevin mitte November einen schweren Autounfall hatte und schon mit dem Tod geliebäugelt hat. Er hatte schwere Verletzungen und jeder war froh, dass er noch lebt und die vorerst abgesagten Konzerte wurden erstmal zur Nebensache.



Am 3. März 2001 fand dann endlich das 20 Jahre Jubiläumskonzert in der Frankfurter Festhalle statt. Die Onkelz spielten Songs von jedem ihrer Alben und wechselten zwischenzeitig sogar die Bühne. Das Konzert wurde von vielen Kameras aufgenommen, so dass es der Nachwelt auf DVD erhalten bleibt. In den darauffolgenden Tagen erschien die 20 Jahre Best-Of "Gestern war heute noch morgen", die aus 3 CDs besteht, Songs aus 20 Jahren Band-Geschichte und einige Neuaufnahmen enthält. Fast zeitgleich erschien der "Tourfilm 2000" als DVD und VHS, der Aufnahmen von der Tour 2000 und viele Interviews enthält.





Im Sommer gaben sie noch drei Open Air Konzerte vor atemberaubenden Kulissen. Am 22. Oktober wurde dann "20 Jahre - Live in Dortmund - Die DVD" veröffentlicht, welche das im März stattgefundene Jubiläumskonzert beinhaltet. Bestechende Bild-Qualität und super Sound zeichnen dieses Meisterwerk aus. Am 27.10. fand noch eine B.O.S.C. Party in Frankfurt statt, bei der die Onkelz erstmals auf einer Zentralbühne spielten.





Anfang des Jahres 2002 erschien auf der offiziellen Band-Homepage ein Cover mit dem Schriftzug "Keine Amnestie für MTV". Allen war klar, dass die nächste Single einen Song gegen MTV beinhalten wird, weil MTV im vorigen Jahr ein "MTV Masters" über die Band ausgestrahlt hatte, welches nicht ganz den Vorstellungen der Onkelz entsprach. Der Titel stieß gleich auf Begeisterung bei den Fans und nachdem die Single am 18.2. dann erschien, landete sie gleich auf 2 der deutschen Charts. Im Rahmen der Single-Veröffentlichung gab es noch eine "Guerilla-Aktion" gegen MTV, bei der ca. 150 kaputte Fernseher auf den Münchener Marienplatz gekippt wurden. Das dazugehörige Album erschien am 15. April und heisst "Dopamin". "Dopamin" ist ein Botenstoff, der wesentlich zum Wohlbefinden beiträgt und euphorische Glücksgefühle im menschlichen Gehirn auslöst.







1980



Bandgründung

November 1980 in dem Keller eines Reihenhauses in Hösbach bei Aschaffenburg. Die Gründungsmitglieder sind Stephan Weidner damals 17 Jahre alt, Kevin Russell, damals 16 Jahre alt und Peter Schorowsky, damals 17 Jahre alt. Inspiriert durch Punkbands wie die Sex Pistols, The Ramones, The Clash, The Stranglers und Sham 69, erscheint es den drei Jugendlichen als eine logische Konsequenz, ebenfalls eine Punkband zu gründen. Den Namen geben ihnen mehrere Kinder, die im Winter 80/81 die grünbehaarten Jugendlichen im ländlichen Hösbach als "böse Onkels" bezeichnen. Der Name bleibt hängen und sollte auch später nicht mehr geändert werden. Die Familienhintergründe sind bieder bis asozial.



1981



Türken raus



Entgegen vieler Behauptungen, die Böhsen Onkelz hätten ihren Skandalsong "Türken raus", der ihnen bis heute angelastet wird, als Skinheadband geschrieben, muß hier darauf hingewiesen werden, daß "Türken raus" einer der ersten Songs im Repertoire gewesen ist

und auf die Zusammenstöße zwischen den Jugendlichen verschiedener Kulturen in den Frankfurter Vororten zurückzuführen ist. Daß die Böhsen Onkelz in den nächsten 5 Jahren eine ausländerfeindliche Haltung anehmen, ist dagegen unbestritten und soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Die ersten Auftritte



1980 steigen die Böhsen Onkelz während vieler Wochenendfahrten nach Frankfurt in die dortige Punkszene ein und machen sich schnell einen Namen als asoziale, authentische Punkband. Zusätzlich muß erwähnt werden, daß gerade in Frankfurt, aufgrund der "Startbahn-West-Krawalle" und der blühenden Punkbewegung eine allgemein agressive Stimmung herrscht. Die "Hippies" und die "Alt 68er" gelten den Punks als Feindbild Nr.1. Diese Frankfurter Punkbewegung konzentriert ihre Aktivitäten auf mehrere Orte, die Hauptwache und den Goetheplatz in der Innenstadt, den Flohmarkt am Eisernen Steg, die "Batschkapp"(ein alternativer Veranstaltungsort, wo viele Punkkonzerte stattfinden) und das Jugendzentrum Bockenheim.
20.02.81 erster dokumentierter Auftritt im Juz Bockenheim mit Incapables, Mutation und Kreppelkaffee.
08.05.81 zweiter dokumentierter Auftritt im Juz Bockenheim mit Boopy Traps, Middle Class Fantasies und Antikörper.
Von diesen beiden ersten Gigs gibt es leider kein Foto- oder Audiomaterial. Erwähnung finden die Böhsen Onkelz während dieses frühen Stadiums lediglich in lokalen Fanzines und Undergroundpublikationen.

Matthias "Gonzo" Röhr

Der Gitarrist der Frankfurter Punkband "Antikörper" heißt Matthias "Gonzo" Röhr, zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt. Gonzo spielt seit 6 Jahren Gitarre und wird von den Böhsen Onkelz abgeworben. Bereits einen Monat später tritt er den Böhsen Onkelz bei und komplettiert das Line Up der Band. Matthias Röhr ist der älteste von vier Brüdern und die Familie Röhr wechselt häufig den Wohnort im Raum Frankfurt. Die Mutter ist Hausfrau, der Vater, der zunächst ein Lebensmittelgeschäft betreibt, übernimmt 1965 einen Kiosk in Frankfurt Bockenheim und 1974 eine Wirtschaft, wo später auch die Mutter ganztags arbeitet. Der Familienhintergrund der Röhrs ist bieder-katholisch-streng. Matthias Röhr beginnt bereits mit zwölf Jahren Gitarre zu spielen und orientiert sich in seiner Jugend an Blues- und Soulgitarristen, bis ihn der Punkrock erwischt und auch er ab 1980 in die Frankfurter Punkszene einsteigt. Sein Spitzname "Gonzo" geht auf seine glühende Verehrung für den amerikanischen Gitarristen Ted Nugent und dessen Live Album "Double life Gonzo" Ende der siebziger Jahre zurück. Bis er in die Frankfurter Punkszene einsteigt hat er zuvor in mindestens 5 anderen Bands gespielt. Zunächst spielt "Gonzo" bei den Böhsen Onkelz Bass, Stephan Weidner die Gitarre, Kevin Russell übernimmt den Gesang und Peter Schorowsky das Schlagzeug.

Noch mehr Punk

Während der ersten zwei Jahre spielen die Böhsen Onkelz 4 Gigs im Juz Bockenheim. Ihr Repertoire beinhaltet neben "Türken raus" noch einige typische Punksongs, "Bullenschwein", "Hinein in das schäumende Bier", "Schöner Tag", "Deutsche Welle", "Bruno Baumann" und andere. Gonzo bringt als erster eine gewisse, rudimentäre Professionalität in die Band, in dem er die Songs durch sein Können erheblich aufwertet. Aus dem anfänglichen Gegröhle werden nun richtige Punksongs, die vom meist jungen Publikum auch so verstanden und aufgenommen werden.
Der Punk, als solcher findet zwar in den einschlägigen Musikzeitschriften seine Erwähnung, aber der Focus der Berichterstattung liegt ausschließlich auf den "großen" und "bekannten" Bands, die zumeist aus England kommen. Gleichzeitig wird in Deutschland die "neue deutsche Welle" etabliert. Weniger aggressives Songmaterial mit deutschen Texten, das in seiner Beliebigkeit und seiner "Softheit" dem Punk das Wasser abgräbt. Während NDW-Bands wie Fehlfarben, DAF oder Ideal das Rampenlicht auf sich ziehen, haben es die authentischen Punkbands wie Slime, Abwärts, die Böhsen Onkelz oder ZK schwer. Ihre Popularität ist begrenzt und beschränkt sich auf ihren Herkunftsort. Die Fans rekrutieren sich ausschließlich aus der lokalen Punkszene. Nur mühsam erspielen sich diese Bands einen größeren Hörerkreis, der sich auf das gesamte Westdeutschland erstreckt. Hilfreich hierbei sind lokale "Fanzines", kleine, zusammengebastelte Heftchen, die die "Szene" mit all ihren Konzerten, Skandalen und Ausschreitungen beschreiben. Jede größere westdeutsche Stadt mit einer Punkbewegung, hat auch mindestens ein Fanzine. In Frankfurt gibt es zu Beginn der achtziger Jahre 3-4 verschiedene Fanzines, von denen "Primitiefes Leben" von Patrik Orth das bedeutendste ist. Die Böhsen Onkelz sind gegen 81/82 ein wesentlicher Bestandteil der Frankfurter Punkbewegung, ihre sporadischen Konzerte und Auftritte jedoch, finden ausschließlich in "Primitiefes Leben" Erwähnung.

"Fanzines" die frühen Medien

...aus "Primitiefes Leben" Nr. 2, Fanzine von Patrick Orth, Frankfurt, Juli 81
"Es kam dann noch zu nem Zwischenfall. An diesem Abend war auch Kaiser wieder anwesend. Er spazierte vor die Bühne, als grade BÖSE ONKELS spielten und der Gitarrist von B.O. schnappte sich das Mikro und sang hinein "Nazis ins KZ, das wär so furchtbar nett" oder so ähnlich."
(Zur Erklärung muß hier angeführt werden, daß "Kaiser" ein stadtbekannter Faschoskin war, der sich gerne auf Punkkonzerten in Frankfurt sehen ließ und von allen Punks gehasst wurde.)

Punk in Frankfurt

Während bereits die "RocknRoll"- Bewegung der fünfziger und die "Flower Power"- Bewegung der sechziger von der Presse per se als gefährlich, drogenverseucht, aufwieglerisch, anachistisch und verurteilenswert dämonisiert wurde, ist es mit der Punkbewegung Ende der siebziger und anfang der achtziger Jahre nicht anders. Die Punkbewegung, von England kommend, wird in der Presse, als das "Schlimmste" bezeichnet, was der Jugend in Deutschland überhaupt passieren kann. Die politische Linke wittert eine Chance und beginnt massiv die Punkszene zu infiltieren. Althippies und Anarcho-Veteranen der siebziger Jahre beginnen in der deutschen Punkszene aktiv zu werden, nicht ohne Erfolg. Die Gesellschaft und die Musikindustrie vermarktet die Neue Deutsche Welle als die handzahme und weichgespülte Version des Punk in immer groteskeren Varianten. Während die Musikindustrie im Wochentakt ein neues One-Hit-Wonder unter dem Ettikett "Punk" auf die ahnungslose Hörerschaft loslässt, wenden sich bundesweit die hartgesottenen und kampferprobten Punks angewidert ab.

Onkelz in der Batschkapp

Die Böhsen Onkelz bestreiten im Sommer/Herbst zwei Konzerte in der ausverkauften Batschkapp und werden vom Frankfurter Fanzine "Primitefes Leben" als die Punkband der Stunde gefeiert. Ebenfalls 1981 veröffentlicht die Band ein erstes "semi-offizielles" Demotape in schlechter Qualität, auf dem unter anderem auch der Skandalsong "Türken Raus" zu hören ist. Zu dieser Zeit gilt der Song noch als Lachnummer. Daß es zu dieser Zeit mit der Ausländerfeindlichkeit noch nicht weit her ist, wird auch dadurch deutlich, daß die Band am 14.11.1981 im "türkischen Familienzentrum" am Wiesenhüttenplatz in Frankfurt einen Gig spielt. Das Demotape macht jedoch in einer geringen Stückzahl die Runde und sorgt dafür, daß die Böhsen Onkelz auch über die Grenzen Frankfurts hinaus, bekannt werden. Schlägereien mit ausländischen Jugendlichen, mit "Poppern", "Mods" oder "Wavern", kurz mit allem, was nicht Punk ist, finden täglich statt. Während die "neue deutsche Welle" ihren Siegeszug antritt und sich über mangelndes Radioairplay nicht beklagen kann, zerfällt die Punkbwegung zum Jahreswechsel 81/82. Viele Punks lassen sich von der linken Argumentation vereinnahmen und beginnen sich politisch zu organisieren, andere stehen fassungslos daneben. Wieder andere steigen ganz aus und werden "normal".

Punk wird lahm

Die Böhsen Onkelz, in ihrer ganzen asozialen Anrüchigkeit und Authentizität schauen mit einem Auge auf den Haufen Scherben, den die zersplitterte Punkbewegung hinterlassen hat, mit dem anderen Auge nach England, wo sich ein neuer Trend abzeichnet. Wie immer gelangt auch diesmal eine neue Bewegung zeitversetzt nach Deutschland. Das Zauberwort heißt "Oi"!
Zum Jahreswechsel 81/82 fahren die Böhsen Onkelz nach Berlin, um beim linken Label "Aggressive Rockproduktionen" von Karl Walterbach (heute "Noise"-Label) zwei Stücke für den "Soundtrack zum Untergang" Vol. II einzuspielen. Während dieser Aufnahmen, die mehr als chaotisch verlaufen, wechseln Gonzo und Stephan die Instrumente. Die endgültige Formation der Böhsen Onkelz steht und wird bis heute beibehalten. Ebenfalls sind auf dem "Soundtrack zum Untergang" Vol.II deutsche Underground Punkbands wie "Normahl", "Blitzkrieg", "Neurotic Arseholes", "Notdurft" und andere vertreten. Seit den späten neunziger Jahren, ist diese Compilation als CD wieder im Handel erhältlich. Obwohl man die Böhsen Onkelz auf dem Booklet nicht erwähnt, sind die beiden Songs "Hippies" und "Religion" immer noch auf dieser Veröffentlichung zu hören. Eine Lizenzabrechnung von Karl Walterbach hat es bis heute nicht gegeben.



1982

Oi wird härter

In England erfährt die Punkbewegung von Seiten der Medien die gleiche Ignoranz wie in Deutschland und viele Gruppen und Grüppchen, die als Punkbands angefangen haben, richten sich nun an der neuen Oi-Bewegung aus. Initiator ist die Band "Cockney Rejects", eine fußballgegeisterte unpolitische Milieu-Band aus der Londoner Arbeiterklasse, die es sich zum Markenzeichen macht, ihre Songs auf der Bühne mit einem hastigen "Oi, Oi, Oi" (Cockney Slang für "Hey") anzuzählen.
"Oi" wird innerhalb kürzester Zeit ein Schlachtruf für eine ganze Generation von jugendlichen Working-Class-Kids, die kaum der Pubertät entwachsen, sich am Wochenende im Stadion mit gegnerischen Fans prügeln. Oi bedeutet zunächst, unpolitisch zu sein, schnellen Punk mit harten Texten zu singen, sich ein wenig "ordentlicher" als die Gossenpunks zu kleiden und vor nichts und niemandem zurückzuweichen. Neben den Cockney Rejects gibt es noch eine große Anzahl an Oi Bands, die dem neuen Trend zu einem schnellen Aufstieg verhelfen. Das alles geschieht auch, jedoch mit ca. eineinhalbjähriger Verspätung, in Deutschland. Zunächst bietet "Oi" den deutschen Punks, die weder bei der NDW, noch bei den Anarcho-Punks mitmischen wollen, ein willkommenes Auffangbecken, in dem sie weiterhin ihre unangepasste Musik machen können, ohne sich politisch vereinahmen zu lassen. Während Bands wie Slime aus Hamburg den radikalen linken Weg einschlagen, springen die Onkelz zunächst auf den unpolitischen Oi-Zug auf, der ihnen Gelegenheit genug bietet, ihrem Ärger Luft zu machen. Songs wie "Religion", "Hippies" und "Oi, Oi, Oi" sollen als Nachweis genügen.

Was in Großbritannien schneller vollzogen wird, findet nun auch in Deutschland statt. Die radikale Rechte, beginnt den Stolz und auch den latenten Patriotismus der Oi-Szene für ihre Zwecke zu mißbrauchen. Was in England als eine unpolitische Jugendszene beginnt, die ihre Wurzeln in der Arbeiterklasse sieht, wird schon bald von der ultrarechten "National Front" und dem "British Movement" vereinnahmt. Die Bewegung der "Skinheads" die in England bereits 1969 entstand und der sich die Söhne der Werftarbeiter zugehörig fühlten, war eine Strömung, die ursprünglich zusammen mit den schwarzen jamaikanischen Einwanderern aus der "Rude Boy"Bewegung entstanden war. "Ska" und "Skinheadreggae" waren die vorherrschenden Musikstile der ausgehenden sechziger und beginnenden siebziger gewesen. Mitte der siebziger war die britische Skinheadszene bereits vollständig von der politischen Rechten vereinnahmt und restlos ausgebrannt. Erst die Oi-Bewegung zu Beginn der achtziger beschert der Skinheadbewegung in England einen neuen Schub und dehnt sich auch sehr schnell auf das europäische Festland aus. Ist die Oi-Bewegung zunächst unpolitisch und orientiert sie sich zunächst an den ganz und gar unpolitischen Working Class Bands wie "Cockney Rejects", "Angelic Upstarts", "The Gonads", "Agnostic Front", "The Blitz", "The Business" und "Cock Sparrer" sowie an den "softeren" Ska-Varianten wie "Madness", "The Specials", "Selecter" oder "Bad Manners"so kann man auch 1982/83 in Deutschland bereits den Einfluß der rechten politischen Parteien in diesen Szenen spüren. Der Zusammenhalt der Jugendbewegungen in der Punk- und in der jungen Skinheadszene, kann dem politischen Druck nicht standhalten und fällt sehr schnell einer radikalen Trennung zum Opfer.

Nach oben!

1983

Oi ist noch nicht hart genug

1983 beginnen die Böhsen Onkelz von der Oi-Bewegung in die Skinheadszene zu rutschen. Sowohl Stephan, als auch Gonzo haben sich bereits den Schädel rasiert und Stephan schreibt die ersten Lieder, die sich explizit mit dem Thema "Skinhead" befassen. Der Ska-Einfluß ist zwar noch zu spüren, und auch der Bezug zur Arbeiterklasse, aber diese Einstellung wird aufgrund der politischen Einmischung in die Szene schnell verwässert.

Matrosen und Gelegenheitsjobs

Kevin beginnt 1983 seine Lehre als Schiffsmechaniker in Hamburg, ist bald als Matrose in Richtung Sibirien unterwegs und steht der Band nur sporadisch zur Verfügung. Gleichzeitig beginnt er, bedingt durch seine frühen Kindesjahre in Hamburg und durch seine Wochenendaufenthalte bei seiner Großmutter in der Hansestadt, in die radikale Hamburger Glatzen-Szene einzutauchen. Der Schritt von dort in die HSV-Fußball-Fan-Bewegung ist nicht weit.

Stephan, Gonzo,Pe

Stephan hält sich als inzwischen verheirateter Mann mit Gelgenheitsjobs über Wasser, während Gonzo seinen Wehrdienst bei der Marine in Norddeutschland absolviert und Pe als Schweißer arbeitet.

Das ominöse Demotape

Ebenfalls 1983 nehmen die Böhsen Onkelz ihr erstes offizielles Demotape auf, das später nur als das ominöse "Demo" traurige Bekanntheit erreichen soll. Auf diesem Demo befinden sich eine radikalere Version des alten Punkstückes "Türken raus" und eine veränderte Version des Oi-Stückes "Oi, Oi, Oi". Ab diesem Zeitpunkt muß man den Böhsen Onkelz eine Ausländerfeindlichkeit attestieren, die sich in großer Brutalität und Gewalt äußert und in radikalem Auftreten während ihrer seltenen und sporadischen Gigs. Hatte es 1981 nur 7 dilletantische Auftritte vor einem meist jugendlichen und vollalkoholisierten Punk-Publikum gegeben und hatte es 1982 nur 4 Auftritte vor einem ebenfalls jugendlichen und ebenfalls vollalkoholisierten Publikum gegeben, das man der Oi-Punk-Bewegung hätte zurechnen können, so waren es aufgrund der häufigen Abwesenheit von Kevin und Gonzo 1983 gerade mal 2 Shows, die man als erste Skinheadkonzerte werten muß. Im Sommer 1983 spielen die Onkelz einen Gig in einem berliner Bunker, der auch als Proberaum der rechten berliner Skinheadband "Kraft durch Froide" genutzt wird. Die Onkelz haben sich mit ihrem "Demo" bereits einen Namen in der Szene gemacht und sind nun ein fester Bestandteil der nach rechts treibenden deutschen Skinhead Bewegung.

Die beiden Skandal-Songs: "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen"

Während dieses Gigs in Berlin 83 spielen sie zum letzen Mal den Song "Türken raus" und zum einzigen Mal den Song "Oi, Oi, Oi" der nun in "Deutschland den Deutschen" umbenannt wird und auch in dieser Version auf dem "Demo" zu hören ist. Die Zeile "Oi, Oi, Oi" wird in die Zeile "Deutschland den Deutschen" (eine Wahlkampfparole der NPD von 1980) abgeändert. Dort, wo es in der Oi-Version noch "Punks und Skins im Zusammenhalt gegen Euch und Eure Staatsgewalt" hieß, singt man nun "Skinheads im Zusammenhalt gegen Euch und Eure Kanakenwelt" und "bis jetzt haben immer die Bullen gesiegt" heißt in der neuen abgeändertenVersion "bis jetzt haben immer die Kanaken gesiegt". Bei diesem Gig sind ca. 80-100 Leute anwesend. Die noch kleine Skinheadszene feiert die Onkelz als ihre Helden und die rechten Parteien sehen ihre Chance zur gezielten Einmischung.

Kevin als Übersymbol der Skinheadszene

Gerade Kevin tritt in dieser Zeit äußerst gewalttätig auf und versucht seine eigene Unsicherheit hinter gnadenloser Gewalt und bedingungsloser Provokation zu verstecken. Er treibt den Alkoholkonsum auf die Spitze und Schlägereien finden täglich statt. Oftmals läßt er sich von seinen Hamburger Freunden mitreißen und schnell wird aus der anfänglichen nicht zielgerichteten Gewalt ein glühender Hass gegen alles Fremde.
Man muß hier darauf hinweisen, daß Kevin zu diesem Zeitpunkt ein sehr leicht zu beeinflussender Mensch ist, dem es wesentlich an Selbstvertrauen und Einsicht mangelt und der der Meinung ist, daß andere Menschen an seinem zerstörten Familienhaus und an seinen persönlichen Problemen Schuld sind. Seinen Äußerungen und seinem Handeln mangelt es ebenfalls an jeglichem intellektuellem oder ideologischem Hintergrund und so reichen sie für eine Zuordnung in ein politisches Lager nicht aus. Ausländerfeindlich, brutal und gewalttätig ist er jedoch allemal, was ihm oft einen Streit mit den anderen Bandmitgliedern einbringt, die der Meinung sind, daß das Skinheadsein sich nicht auf Gewalt und Härte beschränken sollte. Seine Zerstörungswut drückt sich zunächst in seinen Schlägereien und seinen Tattoos aus, die er sich selber sticht und später auch in seinem Alkohol- und Drogenkonsum der bald in Autoagression und Sucht umschlägt.

Kevin im Fernsehen

Ende 1983 zeichnet das ZDF eine Folge der Serie "Kinder Kinder"auf. Der Beitrag mit dem Titel "Von allen guten Vorbildern verlassen" schildert die täglichen Probleme einer alleinerziehenden Mutter von drei Söhnen in Frankfurt. Zwei ihrer Söhne, Ben (16) und Jockel (13) sind Skinheads. Gezeigt wird eine Skinheadparty in Bens Keller zu deren Gästen auch Kevin Russell gehört.
Am 26.01.1984 strahlt das ZDF den Beitrag aus der Reihe "Kinder Kinder" aus. Dieses Filmdokument mit einem Statement von Kevin ist das älteste, noch erhaltene Filmmaterial, auf das wir hier im Onkelz Archiv zurückgreifen können.

Nach oben!

1984

Rock O Rama und der nette Mann

Im Frühjahr 1984 wird Herbert Egoldt, Inhaber des Rock O Rama Labels und des gleichnamigen Mailorder Vertriebs aus Brühl auf die Onkelz aufmerksam. Herbert Egoldt hatte es in den vorangegangenen Jahren verstanden, den Import mit Independent Musik zu einem florierenden Geschäftszweig auszubauen. Sein Label galt während der letzten Jahre als kompetenteste Institution in Sachen Punk- und New Wave Import. 1984 jedoch beginnt er seinen Repertoirebereich auf die wachsende rechte Musikszene in England und Deutschland auszuweiten. Er bietet den Onkelz einen einseitigen Vertrag über drei Alben an, verspricht der Band eine Zahlung von 1,-- DM pro verkaufter Platte und sichert sich die Rechte an den Songs auf Lebzeiten. Die Böhsen Onkelz sind noch unerfahren im Musikgeschäft und gehen begeistert auf den Deal ein. 1984 ist für die Böhsen Onkelz das Schlüsseljahr, in dem sie ihre erste LP "Der nette Mann" in den Frankfurter MTV Studios mit Lazlo Viragh aufnehmen und sich den Titel "Kultband der Skinheadszene" sichern. "Der nette Mann" ist das erste Album einer deutschen Band, deren Mitglieder zu 100% Skinheads sind und sich auch dieser Szene verbunden fühlen. Musikalisch läßt es bereits die spätere Professionalität und Härte erkennen und gerade Gonzo hebt sich mit seinem inzwischen weit fortgeschrittenen Können von der Masse deutscher Bands ab. Die Texte drehen sich fast ausschließlich um Gewalt, Alkohol und Sex. Gerade das Titelstück in seiner ganzen Scheußlichkeit, findet bei den Skinheads in Deutschland großen Anklang. Das Stück "Der nette Mann" handelt von einem Kindermörder, der getarnt als netter Nachbar praktisch nicht auffindbar ist, da er sich hinter der Maske des "netten Mannes" versteckt. Der Song, der in der ersten Person Singular gesungen und mit Kevins rauhem Organ vorgetragen wird, gilt in Deutschland als massiver Tabubruch. Zum ersten Mal setzt sich eine Band auf ihre eigene Art und Weise mit dem Thema Kindesmißbrauch auseinander. Der Täter wird hier als "perverses Schwein" dargestellt und die "Ich-Form", in der das Lied vorgetragen wird, sorgt für große Empörung bei den Jugendschutzvereinen, Kommunen und Gemeinden. Man unterstellt der Band, sie selbst würden zum Kindermord aufrufen. Ebenso skandalös empfindet man das Lied "Mädchen" in dem es um nichts anderes als "ficken", "ficken" und nochmals "ficken" und um "blasen", "blasen" und nochmals "blasen" geht. Der Song "Frankreich 84", der die anstehende Fußball Europameisterschaft in Frankreich thematisiert und in dem das Wort "Frankreichüberfall" fällt, wird später als Hauptgrund für die angeblich faschistoide Gesinnung der Musiker herhalten müssen. Desweiteren befindet sich auf dem Debütalbum "Der nette Mann" das Lied "Deutschland", ein Song, in dem zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg eine deutsche Band die Textzeile "wir sind stolz darauf, Deutsche zu sein" verwendet. Merkwürdigerweise wird dieser Song, in den man unverblümt einen übertriebenen und gefährlichen Patriotismus, hineininterpretieren könnte, bei der späteren Beanstandung des Albums durch die Bundesprüfstelle, nicht nur nicht besprochen, sondern, er wird nicht einmal erwähnt.

"Der nette Mann" wird Kult

Das Debüt Album "Der nette Mann" schlägt in der kleinen Skinheadszene, die in den Verfassungsschutzberichten des Jahres 84 mit ca. 2000 Personen beziffert wird, ein, wie eine Bombe. Die Böhsen Onkelz sind seit ihrem "Demo" von 83, seit ihrem Gig im Bunker 83 und seit ihrem ersten Album "Der nette Mann" die Band der Stunde. Die Gerüchte über die Frankfurter Band innerhalb der Skinheadszene nehmen groteske Formen an und so schnell, wie die Onkelz sich in der Szene etabliert haben, so schnell wird es ihnen auch schon wieder zu eng.

Zagabarta

Im Sommer 1984 werden die Böhsen Onkelz von der Berliner Regisseurin Tabea Blumenschein zu einem Filmdreh eingeladen. Zusammen mit der Berliner Punkband "Tödliche Doris" liefern sie den Soundtrack. Der Film "Zagarbarta", der 1985 vom ZDF in der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" ausgestrahlt wird, und der die Böhsen Onkelz in seiner Anfangssequenz für 4 Minuten während eines gestellten Gigs im Berliner "Loft" zeigt, gilt mit Recht als der schlechteste Film, der jemals über Punks und Skinheads gedreht wurde. Später wird der Film oft von den Medien im Fernsehen fälschlicherweise als "Böhse Onkelz Film" zitiert und muß oft herhalten als einziges Archivmaterial, das die Böhsen Onkelz als Skinheadband auf einer Bühne zeigt.

Skinheadszene auch zu eng?
Während Kevin sich in der Skinheadszene aufgehoben und geborgen fühlt und der Meinung ist, daß er es mit einer wirklichen großen Familie zu tun hat, erkennen die drei anderen Musiker, Stephan allen voran, daß auch diese Szene ihre eigenen Schubladen hat und im krassen Gegensatz zu seinem Freiheitsgefühl steht. Die Vorschriften und Dresscodes, die Breite der Hosenträger, das Markenbewußtsein der "Glatzen", vom Fred Perry Hemd zu den Doc Martens Schuhen, von der Sta Prest Jeans zu den Bomber Jacken, das alles fängt sehr schnell an zu nerven. Zum Jahreswechsel 84/85 legen Pe, Gonzo und Stephan die Hosenträger wieder ab und lassen die Haare wachsen.


1985

Das zweite Album

Bereits im Ferbruar 1985 nehmen die Onkelz ihre zweite Langspielplatte "Böse Menschen - böse Lieder" auf. Herbert Egoldt hat zu diesem Zeitpunkt noch keinen Pfennig für die Verkäufe der ersten LP gezahlt, ist aber der Meinung, daß dringend ein zweites Album aufgenommen werden muß. Von diesen Aufnahmen existiert Filmmaterial auf Video. Zusätzlich werden die Stücke der zweiten LP in Halbplayback und in Farbe für ein frühes Fanvideo in geringer Stückzahl aufgenommen. Auch dieses Material liegt uns vor. Während das Cover zum "netten Mann" noch auf dem Coverfoto (zerstörte, blutüberströmte Kinderpuppe in der Gosse, daneben ein paar Springerstiefel) einen klaren Bezug zur Skinheadszene aufweist, ist der Cover des neuen Albums mit einer Zeichnung aus einem Comic wesentlich neutraler und während sich die Songtexte des ersten Albums noch mit dem Thema "Deutschland" auseinandersetzen, sucht man auf der zweiten Scheibe solche Titel vergebens. Die Inhalte handeln fast ausschließlich von Alkohol und Straßenkampf, davon, daß die Gewalt nicht mehr als etwas Gutes und Wichtiges, sondern nun als etwas Erzwungenes, etwas zum Überleben auf der Straße Notwendiges angesehen wird. An dieser Stelle muß darauf hingewiesen werden, daß 1985 auch die rechten Parteien die Onkelz für sich entdecken und sie immer wieder für "ihre Sache" zu gewinnen versuchen. Es gibt während dieser Zeit zahlreiche Angebote von rechten Parteien und Vereinigungen an die Böhsen Onkelz, auf einer ihrer Kundgebungen oder Grillfeste zu spielen. Alle Angebote werden abgelehnt und die Böhsen Onkelz haben bis heute keine Note für eine politische Partei angeschlagen. In diesem Zusammenhang sind auch die Texte der beiden Songs "Signum des Verrats" (ein Song für Mitläufer und Skinheads, die ihre Ideale an die Politik verkauft haben) und "Hässlich, brutal und gewalttätig" (ein Song über die plakative Darstellung der Skinheads in den Medien) zu verstehen.

Der größte dokumentierte Glatzengig

Den vierten und größten Gig vor einer Skinheadgemeinde spielen die Onkelz zusammen mit der englischen Band "Indecent Exposure" und den deutschen "Die Hards" im August 85 in der Nähe von Lübeck. Vor rund 700 Glatzen und Glatzenähnlichen, von denen man einige ganz klar dem rechten Lager zuordnen muß, läßt sich Kevin zu einer weiteren Dummheit hinreißen. Obwohl die Band den Aufforderungen "Türken raus" oder "Deutschland den Deutschen" vom Demotape zu spielen, nicht nachkommt, tragen sie dennoch den Song "Deutschland" vom ersten Album vor. Die originale Textzeile "deutsche Frauen, deutsches Bier - schwarz rot gold wir stehn zu Dir" wird während des Gigs von Kevin auf eigene Faust umgestaltet und er singt nun "deutsche Frauen, deutsches Bier - schwarz weiß rot wir stehn zu Dir" Die Band ist außer sich vor Wut über diesen Alleingang und es kommt zu Spannungen innerhalb der Band.

Skandalsendung "Live aus dem Alabama"

Noch immer in der Skinheadszene verhaftet, stellen sich die Böhsen Onkelz im September einer Fernsehdiskussion zum Thema Ausländerfeindlichkeit im Rahmen der "Live aus dem Alabama"-Serie des Bayerischen Rundfunks. Nach dem Live Vortrag des Songs "Stolz" in einer schnelleren Version, währendessen man Gonzo schon in Jeansweste, Motörhead T-Shirt und Cowboystiefeln (!) auf der Bühne sieht, nehmen Stephan und Kevin an der Diskussion teil.
Ebenfalls eingeladen sind ein türkischer Graphik-Designer und eine griechische Abiturientin. Fast unnötig zu erwähnen, daß diese Diskussion nicht viel bringt. Kevin, noch als traditioneller Skinhead gekleidet, redet sich um Kopf und Kragen, in dem er tatsächlich die Ausländer für seine persönlichen Fehler und Versäumnisse verantwortlich zu machen versucht. Stephan ist bemüht die Diskussion seriös zu gestalten, muß aber einsehen, daß es nichts bringt, als der Moderator zwei jugendliche Neonazis der Wiking Jugend zu Wort kommen läßt, denen man scheinbar vor der Sendung noch bügelfrische Onkelz T-shirts übergezogen hat. Diese beiden Jugendlichen, die keine unpolitischen Skinheads, sondern rechte Scheitelträger sind, dürfen ihre Hetzparolen vortragen und sorgen somit dafür, daß auch die Onkelz in dieser Diskussion als rechte Band dargestellt werden. Die Kernchance, die wohl darin liegen sollte, eine fruchtbare Diskussion zu führen, wird kläglich vertan.

"Mexico" - die letzte Rock o Rama Veröffentlichung

Im Herbst 1985 entscheiden sich die Böhsen Onkelz dazu, ihren Vertrag bei Herbert Egoldt und Rock ORama zu erfüllen, in dem sie noch ein letztes Album mit ihm aufnehmen. Egoldt hat bis jetzt keinen Pfennig gezahlt und ein persönlicher Besuch bei ihm bringt einen Scheck über 4000,-- DM. Dies bleibt die erste und letzte Zahlung, die Herbert Egoldt den Böhsen Onkelz bis heute ausgezahlt hat. Dazu hat Egoldt nun ein großes Sortiment an Faschobands aus England auf seinem Label versammelt und die Böhsen Onkelz fühlen sich zunehmend verarscht und unwohl. Um den Vertrag zu erfüllen und Egoldt dabei so wenig Songmaterial wie möglich zu liefern, veröffentlichen die Onkelz lediglich 6 Songs auf der "Mexico" EP. Das dritte Studioalbum "Mexico" mit dem gleichnamigen Stadionknaller zur Fußballweltmeisterschaft 86 stößt in der Skinheadszene erneut auf große Zustimmung und gilt bis heute als das dritte und letzte Skinheadalbum der Böhsen Onkelz.

Der letzte Glatzengig

Zum ersten größeren Ausstiegsimpuls aus der Skinheadszene, der sich über das nächste Jahr hinziehen sollte, führt ein erneuter Böhse Onkelz Gig im Berliner Bunker der Faschoband "Kraft durch Froide" am 9.11.85. Die Böhsen Onkelz sind wegen ihrer länger werdenden Haare und ihrem veränderten Aussehen bereits seit "Lübeck" im Sommer und seit der "Alabama Diskussion" im September in der Skinheadszene verpönt. Die erste Kritik innerhalb der Szene macht sich bemerkbar und zunächst ist die Band für den Gig im November in Berlin gar nicht eingeplant. Erst als eine andere Band absagt, kommt man auf die Frankfurter Onkelz zurück. In dem Bunker in Berlin Wedding finden sich gut 200 Glatzen zusammen, die von vorneherein klarstellen, auf welcher Seite sie politisch stehen. Schon vor dem Auftritt der Böhsen Onkelz, skandieren die anwesenden Skinheads einstimmig mit zum Hitlergruß erhobenen rechten Armen "Deutschland den Deutschen", "Ausländer raus", und "Sieg Heil". Man muß den Onkelz den Vorwurf machen, daß sie diesen Gig nicht sofort abgebrochen haben. Auch wenn die Band am Aufbau dieser Szene mit beteiligt war und sich anfangs noch nicht im Klaren darüber war, in welche Richtung ihre Szene marschiert, so muß sie es sich gefallen lassen, in dieser Phase als ausländerfeindliche rechte Band bezeichnet zu werden. Selbst wenn die politische Ausrichtung der Band nicht als rechtsradikal bezeichnet werden kann, und sie sich selbst auch zu dieser Phase nicht als rechtsradikal empfindet, spricht ihr Publikum doch eine deutliche Sprache.
Das allerdings fällt nach dem Gig in Berlin auch den Böhsen Onkelz auf und wo Kevin sich noch heimisch in der Szene fühlt, wird es den anderen Musikern zu eng. Nach diesem Konzert ist man sich einig. Die Böhsen Onkelz wollen keine Kultband der Skinheads mehr sein und ihren Sänger Kevin werden sie schnell überzeugen können.


1986

Kevin und die Tattoos

1986 ist das Jahr, in dem Kevin seine Laufbahn als Tättowierer beginnt. Er hat schon seit geraumer Zeit am eigenen Körper experimentiert, hat hunderte von Zeichnungen entworfen und findet nach seiner Lehre als Matrose, die mit einem Rauswurf endet, nun einen Job im Studio des Frankfurter Tattoo-Künstlers Alf Diamond. Auf privater Ebene ist er mit Stephans jüngster Schwester Moni zusammen und treibt den Alkoholkonsum und die Gewalt auf die Spitze.

Indizierung "Der nette Mann"

Die Bundesprüfstelle indiziert im September 86 das Debüt Album "Der nette Mann" mit der Begründung der Titelsong würde zum Mord an kleinen Kindern aufrufen, der Song "Frankreich 84" beinhalte rassistische Tendenzen, der Song "Mädchen" sei pornographisch, der Song "Dr. Martens Beat" sei gewaltverherrlichend und der Song "Böhse Onkelz" würde unreflektiert den Nationalsozialismus verherrlichen. Die Songs in ihrer Abschrift, weisen viele Fehler und Entstellungen auf - manche Passagen sind von der Bundesprüfstelle frei erfunden worden - und das Verbot des Albums sorgt dafür, daß es bundesweit "Kultstatus" erlangt. Die spätere Behauptung, die Böhsen Onkelz hätten diese Indizierung beabsichtigt, sie sei Teil einer gewaltig angelegten Marketingkampagne gewesen, ist unhaltbar und unzutreffend. Das Verbot der Platte kommt zwar überraschend, wird aber von der Band schulterzuckend hingenommen. Verdient haben sie an den ersten drei Alben sowieso nichts.

Nochmal Rock o Rama?

Die in den letzten Jahren angestrengten Prozesse gegen das Label RockORama, verfolgen nur einen Zweck, nämlich die Auswertung der Alben "Der nette Mann", "Böse Menschen, böse Lieder" und "Mexico" zu stoppen und die Produktion einzustellen. Die Böhsen Onkelz versuchen diese drei Alben seit Mitte der neunziger Jahre vom Markt zu nehmen. Herbert Egoldt jedoch vertreibt diese Alben bis heute mit großem Erfolg. Die Diskussion um die Böhsen Onkelz hat erst dafür gesorgt, daß diese drei, angeblich "schwer zu bekommenden" Veröffentlichungen Kultstatus erlangt haben. Der Kontakt zu Egoldt ist seit 1985 abgebrochen und findet nur noch über Anwaltstermine statt.

Der Ausstieg und die Presse

1986 sind die Onkelz für eine kurze Zeit ohne Vertrag und ohne neue Songs. Ein Playback-Benefiz-Gig für das S.O.S.-Kinderdorf unter der Leitung von Manfred Sexauer verläuft mehr als chaotisch, als der betrunkene Kevin Russell in das Schlagzeug fällt und nicht mehr alleine hochkommt. Danach gibt es bis 1989 keine Konzerte mehr und die Presse hat von der Band, ihrer bisherigen Geschichte und ihrem Ausstieg aus der Skinheadszene keine Kenntnis und zeigt auch kein Interesse. Innerhalb der Szene jedoch gibt es die wildesten Auflösungsgerüchte und Erwähnung finden die Onkelz allerhöchstens in einschlägigen Skinheadfanzines. Hier zwei Zitate:

Stephan: "Ein für allemal: Die Böhsen Onkelz haben sich nicht aufgelöst. Ich weiß nicht, welcher Verrückte auf die Idee gekommen ist, dieses Gerücht in die Welt zu setzen. Es stimmt jedenfalls nicht. Wir hatten keine Lust mehr, uns in eine Ecke drängen zu lassen, aus der wir nicht mehr herauskommen. Wir wollten unseren Spaß haben und das war zum Schluß nicht mehr möglich. Für die Zukunft der Skinbewegung sehe ich einigermaßen schwarz. Zu viele Leute, die früher die Bewegung geprägt haben sind verschwunden, zu viele Leute, die diesen Ruf nicht halten können, sind dazu gekommen. Wir brauchen uns von diesen Leuten nichts vorwerfen und schon garnichts sagen zu lassen. Wir kennen die Sache. Die Skins, die von sich behaupten können, 4-6 Jahre dazu gehört zu haben, kann man an einer Hand abzählen."
aus: "Singen und Tanzen", Skinheadfanzine Duisburg, Frühjahr 1986.
Frage: "Ihr seid im letzten Jahr in der Alabamahalle aufgetreten, um in einer Diskussion mit dem Thema "Skinheads" Rede und Antwort zu stehen. Würdet ihr das heute nochmal machen?"
Stephan: "Das mit der Alabamahalle würden wir mit Sicherheit nicht nochmal tun. Wir haben da mitgemacht, weil wir endlich mal Gelegenheit hatten, den Ruf der Skins ein wenig in ein anderes Licht zu rücken, weg von diesem Neo-Nazi-Klischee."
aus: "oi - the bulldog", Skinheadfanzine Augsburg, Frühjahr 1986.


1987

Nach dem Ausstieg

Das Jahr 1987 markiert das zweite Jahr nach dem Ausstieg der Böhsen Onkelz aus der Skinheadszene und ihr erstes Metal Album, das im Sommer des Jahres bei Metal Enterprises erscheint. "Onkelz wie wir" erspielt sich schnell den Ruf einer reinen Rockscheibe innerhalb der wachsenden Fangemeinde. Die Presse ist immer noch weitgehend uninteressiert. Nur einige Musikmagazine haben von dem Ausstieg der Onkelz aus der Glatzenbewegung etwas mit bekommen, wollen die Wandlung aber nicht anerkennen. Das einzige Dokument aus dieser Zeit, ist ein längeres Interview, daß der Soziologe Markus Eberwein mit den Böhsen Onkelz im Rahmen des Buchprojekts "Skinheads in Deutschland" durchführt. Hier einige Auszüge:
Stephan: "Und wenn man dann hier so was liest: "Früher eine aufmüpfige Punkband, ist die Kapelle unter ihrem Lead-Sänger Ian Stuart inzwischen voll auf der Linie der faschistischen "National Front". "Skrewdriver" hat überall in Europa Nachahmer gefunden. Die Gruppen nennen sich "Blut und Ehre", so in der Schweiz, in Frankfurt "BÖHSE ONKELZ" oder in Westberlin "Kraft durch Froide".
Pe: "Es gibt sicherlich Gruppen, die faschistisches im Sinn haben!"
Gonzo: "Aber mit so was haben wir nie was am Hut gehabt!"
Pe: "Dazu gehören wir aber wirklich nicht!"
Gonzo: "Von wegen parteipolitisch: Ist nie was gelaufen bei uns!"
Kevin: "Politik ist ja total uninteressant. Das ist überhaupt kein Thema, weil Politik ist in diesem Land undurchführbar. Deswegen interessiert mich Politik einen Scheißdreck, ja? Ich will nur leben, wie ich will, das ist alles. Politik und sich politisch überhaupt zu organisieren ist das Letzte! Das ist so eine Zeitverschwendung. Also in der Zeit kann ich etwas Besseres machen."
(...)
Stephan: "Man muß sich mal eins überlegen. Wir waren damals, wo es angefangen hat, dabei und haben die ganze Bewegung mit aufgebaut. Und dann siehst du, wie ein paar Idioten die ganze Sache kaputt machen."
(...)
Stephan: "Und bei uns hat es aufgehört, wo der Punk ins Linke reingezogen worden ist. Punk bedeutete am Anfang für uns nur, Außenseiter zu sein und Spaß zu haben."
Kevin: "Und so ist es jetzt auch bei den Skins, das wird nur ins Rechte gerückt. Und da hört es für mich dann auch auf. Genauso war es damals als Punks."
Gonzo: "Die Linken haben sich die Punks unter den Nagel gerissen und die Rechten versuchen sich die Skins unter den Nagel zu reißen."
Kevin: "Also ein richtiger Skinhead ist politisch total negativ eingestellt, politlos."
(...)
Gonzo: "Wir waren als Punks politisch uninteressiert gewesen. Dann haben wir gesehen: jetzt kommt das Ganze in eine politische Sache rein, was machen wir jetzt? Das wollen wir nicht, wir wollen mit den Leuten nichts zu tun haben! Naja, ich weiß auch nicht, wie es kam: jedenfalls wurden die Haare kürzer, und dann sind wir Skinheads gewesen. Dann waren wir zwar noch dieselben wie vor einem halben Jahr, aber wir sind nicht Skinheads geworden aus dem Grund, weil: Sieg Heil! Und rechts!"
Kevin: "Auf keinen Fall!"
(...)
Kevin: "Man wollte halt alles ein bisschen mehr auf Härte machen, anstatt so auf: viel trinken, und Koma, und: Eh, ihr Blöden! Und nichts mit Politik, von wegen: `Heil Hitler!` Das überhaupt nicht, was soll denn das? So?n Quatsch! Ich meine, wenn man damals leben würde. Ist doch Scheiße! Ich meine, in der Hitlerjugend hier, ich würde mir doch die Kugel geben! Was soll das denn?"
Gonzo: "Stell dir mal vor, da wärst du ein größeres Arschloch als die Bullen!"
Kevin: "Da hast du zehn Arschlöcher am Tag, die dir sagen, du sollst das und das machen. Das ist einfach logisches Denken, dass so eine Politik Scheiße ist!"
(..)
Kevin: "Ich lasse mir doch von keinem Arsch sagen: Weil ich Skinhead bin, muss ich jetzt singen: `Sieg Heil!` und `Gewalt!"
aus: "Skinheads in Deutschland" von Markus Eberwein und Josef Drexler, Selbstverlag, Hannover/München 1987)
So, wie der Song "Stolz" wohl für viele Jugendliche der Einstieg in die Sezene gewesen sein mag und so, wie, der Song "Deutschland" den nicht ganz ungefährlichen Patriotismus thematisierte, genauso gilt der Song "Erinnerungen" auf dem Album "Onkelz wie wir" als der klassische Ausstiegssong und wird von den Fans, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, begeistert aufgenommen.
Für die Böhsen Onkelz war damit ihre Zugehörigkeit zur Skinheadszene abgeschlossen, der Ausstieg vollzogen und dokumentiert. Man muß jedoch davon ausgehen, daß die Medien von dieser Entwicklung nichts mitbekommen haben und daß die Bewußtwerdung der Böhsen Onkelz zu diesem Zeitpunkt kein Thema darstellte. Anders sind die späteren Recherchefehler und Behauptungen insbesondere der Tagespresse nicht zu erklären.


1988

Onkelz? Nie gehört!

Im Jahr 1988 gibt es, wie auch schon im vorangegangenen Jahr keine Konzerte. Die Massenmedien interessieren sich noch immer nicht für die Geschichte der Böhsen Onkelz. Weder ihre Musik, noch ihr Ausstieg aus der Skinheadszene wird in der Tages- oder Stadtpresse erwähnt. Der Metal Hammer macht den ersten Schritt im Februar ?88. Nachdem er bereits im Vorjahr die "Onkelz wie wir" als "Nazi-Skin-Platte" verrissen hatte und nachdem sich Stephan und Gonzo daraufhin bei der Redaktion beschwert hatten, lädt der damalige Chefredakteur Edgar Klüsener die beiden Musiker zu einem Gespräch ein. Hier einige Auszüge:
Stephan: "Vor allem in den letzten Jahren ist ein Teil der Skins klar nach rechts abgedriftet. Tatsache ist, daß auch politische Organisationen versuchen, direkten Einfluß auf Skins zu gewinnen. Das geht soweit, daß sie zu unseren Konzerten kommen und Stände aufbauen oder Flugblätter verteilen wollen. Das lassen wir jedoch unter keinen Umständen zu. Die fliegen ganz einfach raus!"
(...)
Stephan: "Einer von uns zum Beispiel hat den Wehrdienst verweigert und leistet zur Zeit seinen Zivildienst ab - aus welchen Gründen auch immer. Und da sagt man uns noch ernsthaft nach, wir würden Neo-Faschisten unterstützen oder seien gar selbst welche. Wir sind zwar Musiker, aber keine Idioten!"
(...)
Stephan: "Was heute noch als Skinhead auftritt, hat meistens nichts mehr mit dem zu tun, was ursprünglich mal das Skin-Movement war. Übriggeblieben sind oft nur noch die, die tatsächlich rechstradikal eingestellt sind. Die anderen, die von Anfang an dabei waren und die Bewegung mit aufgebaut haben, die haben sich inzwischen weitgehend abgesetzt und distanziert."
(...)
Stephan: "Es war eine Bewegung der Kids von der Straße und eine Bewegung, die aus der Arbeiterklasse entstanden ist, aus der Klasse also, aus der auch wir stammen und in der wir verwurzelt sind. Eine andere Sache allerdings ist, daß für uns die Politik, so wie sie uns von den herrschenden gesellschaftlichen Gruppen und Parteien jeden Tag vorgespielt wird, absolut unglaubwürdig geworden ist. Politik ist ein pures Gerangel um Macht und Geld. Der Mensch und seine Bedürfnisse gelten nichts. Die einzige Partei, die zur Zeit noch einen Hauch von Glaubwürdigkeit besitzt, sind die Grünen. Sie könnten eine echte Alternative bieten, wenn sie zur Geschlossenheit zurückfinden würden."
(...)
Stephan: "Als wir erstmals mitbekamen, wohin der Zug plötzlich fuhr, auf dem wir als Kultband der Skins irgenwo mit draufsaßen, haben wir damit begonnen, gegen unsere eigenen Leute zu schreiben, um irgendwie zu bremsen."
(...)
Stephan: "Seitdem sind wir alle noch um einiges bewußter geworden. Wir glauben, daß unser einzige Chance sowohl musikalisch, wie auch menschlich-politisch im Crossover liegt. Es hat keinen Sinn, wenn Glatzen auf Punks, Metaller auf Hippies und jeder gegen jeden losgeht. Statt uns zu bekämpfen, sollten wir viel mehr zusammenhalten gegen die, die uns alle zusammen be- und unterdrücken, gegen korrupte Politiker, Umweltzerstörer, Kriegstreiber und gegen ein politisches System, für das der Einzelne Dreck ist."
aus "Metal Hammer" Hard Rock Zeitschrift "Böse ja, rechtsradikal nein" von Edgar Klüsener, München Februar 1988.
Kurz daruf druckt das semi-professionelle Heavy Metal Magazin "Mega Mosch" im Sommer 1988 ein weiteres Interview mit Stephan Weidner ab. Es folgen Auszüge.
Stephan: "Es gab dann halt regelmäßig Ausschreitungen und uns wurde ein faschistisches Image angelastet, worauf die Veranstalter halt auch keinen Bock hatten, was ein Auftrittsverbot für uns in Frankfurt und Umgebung zur Folge hatte. So hat sich das dann halt entwickelt und immer mehr verschlimmert, durch Mund-zu-Mund-Propaganda."
(...)
Stephan: "Ja, das ist richtig. Zu dieser Zeit (84) waren wir halt auch Skins gewesen und haben voll hinter der Bewegung gestanden. Wir wollten deshalb auch eine Platte für diese Bewegung machen. Inzwischen haben wir mit dieser Szene eigentlich nichts mehr am Hut."
(...)
Stephan: "Rock-O-Rama haben uns finanziell ziemlich beschissen und nahmen außerdem immer mehr rechte Gruppen in ihr Repertoire auf, was uns auch nicht so gelegen hat."
aus "Mega Mosch" Heavy Metal Zeitschrift, Sommer 1988.

Die legendäre "28"

Inzwischen hat auch Kevin der Skinheadszene abgeschworen. Er legt die Hosenträger und die Stiefel ab und läßt die Haare wachsen. Gleichzeitig steigt aber auch sein Drogenkonsum. Hat er früher noch gekifft, gesoffen und Leim geschnüffelt, wechselt er jetzt zu Kokain, LSD, Speed und Ecstasy. Seine Wohnung in der Weberstraße 28, kurz "die 28" genannt entwickelt sich immer mehr zur Drogenhöhle und am Anfang hängt auch der Rest der Band mit drin. Vor diesem Hintergrund bringt die Band bringt im Herbst 88 ihr fünftes Studioalbum "Kneipenterroristen" und damit ihr zweites Album bei Metal Enterprises heraus. Die Platte wird von der nun wachsenden Metal-Fan-Gemeinde begeistert gekauft. Es werden bis zum Oktober 15.000 Einheiten abgesetzt, was darauf schließen läßt, daß die Fangemeinde nicht mehr nur aus Glatzen besteht, denn deren Anzahl beläuft sich zu dieser Zeit laut Verfassungsschutzbericht auf rund 2500 Personen. Die Skinheadsezene hat mit den Onkelz ihre professionellste Band verloren und das Vakuum ist nicht zu füllen. Weit und breit ist keine Band in Sicht, die auch nur annähernd an den Kultstatus der Onkelz heran kommt. Wütend macht sich die Szene in den Artikeln ihrer Fanzines Luft und beginnt massiv damit, die Onkelz als "langhaarige Hippies", "Motherfucker" und "linke Zecken" zu beschimpfen.


1989

Immer noch im Untergrund

Im Jahre 1989 finden die Böhsen Onkelz in den Medien noch immer nicht statt. Weder Tageszeitungen noch Musikmagazine interessieren sich für die Band. Die Kneipenterroristen LP vom Vorjahr wird kaum erwähnt und ebenso wenig ihr Ausstieg aus der Glatzenszene oder die wachsende Fangemeinde, die sich nun aus vereinzelten Alt-Skins, Punks und Rockern zusammen setzt. Wohl aber finden wieder erste Konzerte statt. 5 Shows spielen die Onkelz im Raum Wiesbaden und Frankfurt vor einer Crowd von 800 bis 1200 Leuten. In Offenbach tauchen ca. 30 Skinheads mit Deutschland Fahnen auf und pöbeln im Publikum. Stephan macht eine seiner ersten öffentlichen anti-rechts Ansagen von der Bühne herunter. Leider gibt es hiervon kein Video- oder Tonmaterial.
Ein weiteres erwähnensw

Alle Anregungen zu diesem Beitrag bitte an den verfassenden User Checkidie schicken.
Der Beitrag wurde am 11.02.2005 geschrieben und bisher 19703x gelesen.

Dieser Beitrag wurde von Marco und Alex freigeschaltet.

Kommentar von shaluke zu diesem Userartikel am 14.05.2008 18:07
Das ist live in Lübeck: http://de.youtube.com/watch?v=IR3F5CMSk3M dort singt kevin beide male schwarz-weiß-rot, der Link ist genauso wie bei der onkelz seite, außer das er länger geht UND das russel nach deutschland, ein mensch wie du und ich ansagt, ich verstehe das nur nicht, weil nach bandbio ein mensch wie du und ich, nicht bei lübeck gespielt wurde, aber er sagt es dennoch dort an, kann das wirklich lübeck sein? Das ist live in Rüsselheim: http://de.youtube.com/watch?v=22yFKLsRktI dort singt Kevin einmal schwarz weiß rot, das ist im nachhinein von lübeck, also hat er ein zweites mal dies getan, nur ich wundere mich, warum in der bandbiographie davon nicht die rede ist, es wundert mich das wirklich kevin alleine dafür verantwortlich sein soll, glaube ich irgendwie gar nicht, 2 mal die gleiche scheiße, und hat er wirklich aus freien stücken seine sogenannte skinhead identität abgelegt? war er überhaupt skinhead? skinhead hat mit nationalitöt etc nichts zu tun, die onkelz fanden diese politisierung in der szene scheiße, aber dennoch warn sie dicke mit KdF chillten da im Bunker, über ihnen die reichstagsflagge, soll bei den bunkervideos zu sehen sein und dann werfen sie der skinheadszene die eigentlich überwiegend eine neonaziszene war, irgendetwas vor, obwohl sie selber deren teil waren und einen scheißdreck gegen hitlergrüße gemacht haben, obwohl sie nach bandbiographie immer dagegen gewesen sein sollten...also das hat wirklich den anschein nach schizophrener heuchelei, diese zaghaften versuche wie hässlich brutal und gewalttätig kann man vergessen, waren nicht deutlich genung, wirklich zu "Sieg Heil" "Danke" zu sagen? sie haben sich zu skinheadzeiten wahrlich nie gegen rechts ausgesprochen, zwar nicht mit rechten verbänden gemeinsame sache gemacht, aber mit deren opfer...


Kommentar von Paranoid zu diesem Userartikel am 14.04.2008 15:18
vielleicht liest den KOmmenatr ja mal jemand der das berichtigen könnte an einer stelle wird von der veröffentlichung "20 Jahre Live in Dortmund" gesprochen. Dabei muss es sich um einen Fehler handeln ddenn es gab nur ein veröffentlichtes konzert aus der dortmunder westfalenhalle und dasw war 1996 das konzert welches hier gemeint ist heisst eigentlich "20 Jahre live in Frankfurt" es handelt sich um das jubiläumskonert zum 20 jährigen bestehen der onkelz ind frankfurt


Kommentar von terrormieze88 zu diesem Userartikel am 07.09.2007 14:50
Hat zwar lange gedauert, alles durch zu lesen, ist aber echt interessant geschrieben. Fettes Lob von mir.


Kommentar von OnkelzKopka zu diesem Userartikel am 19.02.2007 18:50
irgendwie fehlt da n bissl was am ende


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